So umweltfreundlich Strom aus Sonne, Wind und Co. auch ist - die Einbindung in die regionalen Verteilnetze sorgt manches Mal für erhebliche Schwierigkeiten. Für die vielen tausend kleinen Kraftwerke, die inzwischen ans Stromnetz angeschlossen sind, waren die Leitungen ursprünglich nicht ausgelegt. Über viele Jahrzehnte bestand ihre Aufgabe darin, den Strom von einem großen Kraftwerk am einen Ende an die Verbraucher am anderen Ende zu verteilen. Mittlerweile sind unterwegs immer mehr kleine Kraftwerke hinzugekommen, die ebenfalls ihren Strom in das Netz einspeisen - die Verbraucherzahl hat sich gleichzeitig jedoch kaum verändert. Dies führt zu Überkapazitäten im Netz - inzwischen wird zeitweise vielerorts deutlich mehr Strom eingespeist als vor Ort verbraucht werden kann. In den Ortsnetzen kann diese Situation beispielsweise zu Spannungsschwankungen führen.

Netzausbau und innovative Lösungen

Um dieser Entwicklung entgegen zu wirken und die Stromversorgung weiterhin gewohnt stabil zu halten, müssen die Netze kontinuierlich aus- und umgebaut werden. Das bedeutet, zusätzliche Leitungen werden verlegt, neue Umspannwerke und Trafostationen gebaut und ins Netz eingebunden. Diese Maßnahmen sind aufwendig und teuer. Um die Netzkosten so gering wie möglich zu halten, sucht Avacon kontinuierlich nach neuen Lösungen, um mit möglichst geringem Aufwand mehr erneuerbare Energien in seinen Netzen aufnehmen zu können. Wir setzen dabei vor allem auf zwei innovative Ansätze:

Starke Arme: Stützpunktnetze

Bei so genannten Stützpunktnetzen werden einzelne Netzabschnitte mit Kabeln versehen, die einen vielfach größeren Querschnitt haben als herkömmliche Mittelspannungskabel. Durch diese lokal begrenzte Verstärkung und Erweiterung lässt sich die Aufnahmekapazität in den Leitungen für Strom aus Erneuerbaren Energien erhöhen, ohne an vielen anderen Stellen weitere zusätzliche Kabel legen zu müssen. Auf diese Weise kann eine Vielzahl kleinerer Baumaßnahmen in den Ortschaften vermieden und Netzausbaukosten können reduziert werden.

Neue Energie geregelt ins Netz: Regelbarer Ortsnetztrafo

Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz so genannter regelbarer Ortsnetztransformatoren. Sie erkennen Spannungsschwankungen und gleichen diese automatisch und unverzüglich aus, so dass die Spannung beim Endkunden stets bei 230 Volt Wechselspannung, beziehungsweise 400 Volt Drehstrom innerhalb der erlaubten Toleranzen plus-minus zehn Prozent stabil bleibt. Der regelbare Ortsnetztransformator liefert bei schwankender Oberspannung eine weitgehend konstante Unterspannung, wie es bei klassischen Hochspannungs-/Mittelspannungstransformatoren in Umspannwerken bereits der Fall ist. Beim Einsatz dieser Netztechnologie auf Nieder- und Mittelspannungsebene handelt es sich um eine echte Innovation, an deren Entwicklung Avacon gemeinsam mit einem Industriepartner (Maschinenfabrik Reinhausen) maßgeblich beteiligt war.

Maschinenfabrik Reinhausen

In Pilotprojekten wurden die neuen Trafos seit 2010 erfolgreich in der Praxis getestet und weiter entwickelt, so dass sie seit Herbst 2012 serienreif sind. Die ersten Trafos der Serienproduktion wurden in Bruchhausen-Vilsen im Landkreis Diepholz und in Harpstedt im Landkreis Oldenburg sowie im Ortsteil Hänigsen der Gemeinde Uetze (Region Hannover) eingesetzt. Mittlerweile sind 70 regelbare Ortsnetztransformatoren bei Avacon am Netz. Nach und nach setzen wir diese neue Technologie bei Einspeiseschwerpunkten in unserem Netzgebiet ein.

Dadurch werden aufwendige Baumaßnahmen wie Kabelverlegungen im Ortsnetzbereich vermieden, da lediglich ein bereits vorhandener Trafo ausgetauscht werden muss.

In einem weiteren Schritt untersuchen wir derzeit den flächendeckenden Einsatz von regelbaren Ortsnetztransformatoren in ganzen Umspannwerksbereichen auch im Mittelspannungsnetz. Auf diese Weise könnte der Anstieg der Netzkosten gegenüber herkömmlichen Ausbaumethoden weiter deutlich reduziert werden.