Eine kreative Antwort auf den demografischen Wandel

Was ist ein BürgerBus – und wofür wird er eingesetzt?

Ein BürgerBus kann traditionelle Angebote des öffentlichen Nahverkehrs wie Bus- und Zuglinien sinnvoll ergänzen. Der Einsatz des Bürgerbusses ermöglicht mehr Mobilität in der Region und stabilisiert und verbessert damit die Daseinsvorsorge. Für den klassischen Linienverkehr stellt er keine Konkurrenz dar, im Gegenteil, er macht seine Nutzung oft erst möglich, weil er die Menschen an den lokalen und regionalen öffentlichen Verkehr anbindet. Zudem fährt er Orte an, die sich für die großen Busse nicht lohnen, oder er füllt Zeitlücken in einem Fahrplan, in denen aufgrund des geringen Fahrgastaufkommens der Einsatz großer Busse nicht sinnvoll ist.


Bürger fahren Bürger

Die BürgerBus-Projekte basieren auf ehrenamtlicher Mitarbeit. Die Fahrer sind allesamt ehrenamtlich angestellt und bekommen keine Vergütung für ihre Tätigkeit. Ein BürgerBus ist ein Kleinbus und mit bis zu acht Sitzmöglichkeiten ausgestattet. Der Fahrer benötigt hierfür keinen Busführerschein, sondern lediglich einen Autoführerschein der Klasse B. Durch seine Eingliederung in den Linien- bzw. Bedarfsbetrieb fällt der Bus unter das Personenbeförderungsgesetz. Kommunen können von den kostengünstigen BürgerBussen stark profitieren; sie werden nur in dem Fall finanziell belastet, wenn Betriebskostendefizite auftreten. Meist finanzieren sich die BürgerBusse zum größten Teil durch staatliche Förderungen, Einnahmen aus Sponsoringvereinbarungen, Spenden und den Fahrticketverkauf. Natürlich funktioniert das BürgerBus-Projekt nur, wenn sich viele Unterstützer ehrenamtlich engagieren und die Fahrdienste sich somit sicherstellen lassen.

„Wir finden das ehrenamtliche Engagement für die Bürgerbusse wichtig und inspirierend. Damit ermöglichen die Unterstützer mehr Mobilität auf dem Land – vor allem für Ältere, die nichtmehr selbst mit dem Pkw unterwegs sind. Das ist eine kreative Art, dem demografischen Wandel zu begegnen – damit der Alltag in der schönen Region lebenswert bleibt. Die BürgerBusse sind eine gute Ergänzung zum öffentlichen Nahverkehr. Deswegen unterstützen wir als Avacon in der Region die BürgerBus-Projekte zum Beispiel in Bassum, Weyhe und in Syke aus voller Überzeugung“, so Hermann Karnebogen, Avacon-Kommunalreferent.

Ein solches Erfolgsprojekt, zu dem viele ehrenamtliche Helfer mit zahlreichen Arbeitsstunden beitragen, ist der BürgerBus in Bassum. Dieser feierte im Sommer 2016 sein 10. Jubiläum: So lange schon engagieren sich viele Unterstützer in ihrer Freizeit für mehr Mobilität auf dem Land. 2006 wurde der Verein gegründet. Nach zwei Jahren konnte der BürgerBus nach aufwändigen Planungen – Beschaffung der Gelder und des Fahrzeugs und die Abstimmung und Einbindung in den Fahrplan des öffentlichen Nahverkehrs – die ersten Fahrgäste transportieren. Vor allem ältere Menschen aus den Dörfern nutzen das Angebot, in letzter Zeit auch immer mehr Flüchtlinge.

Auch Bassums Bürgermeister Christian Porsch freut sich über die Erfolgsgeschichte: „Vor allem die Tatsache, dass der Bürgerbus die vier Strecken abdeckt, die von den herkömmlichen großen Nahverkehrsunternehmen aus Ertragsgründen nicht angeboten werden, steigert die Lebensqualität in der großflächigen Stadt Bassum. Diese Lücke schließt der BürgerBus, der gerade die kleineren Ortschaften anbindet, die damit gestärkt werden.“

Mehr zum 10. Jubiläum des BürgerBusses Bassum lesen Sie hier:

Kreiszeitung

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Auch in Weyhe feiert das BürgerBus-Projekt ein Jubiläum: Seit 15 Jahren fährt der rote BürgerBus durch die Ortschaften.

Die Zahlen sind beeindruckend. 1,2 Millionen Kilometer haben die Fahrer mit dem BürgerBus in dieser Zeit zurückgelegt und insgesamt mehrere hundertausend Fahrgäste transportiert. Damit tragen die rund vierzig ehrenamtlich engagierten Unterstützer viel zur Mobilität in Weyhe und damit auch zur Sicherung der Lebensqualität bei.

Der Vorsitzende des BürgerBus-Vereins Franz Riedel präsentiert die Stundenbilanz der vielen Helfer: „In den 15 Jahren leisteten unsere Fahrer 57.200 Stunden unentgeltlichen Dienst. Und das ist nicht alles, denn auch im Hintergrund läuft viel an Organisation, aber auch kleinere Reparaturarbeiten. Der Fahrdienstleiter sorgt beispielswiese immer dafür, dass die BürgerBus-Touren zuverlässig durchgeführt werden. Das macht nochmals 20.000 Stunden an ehrenamtlicher Arbeit.“ Die Vereinsmitglieder treffen sich einmal im Monat und besprechen die Dienstpläne für die nächsten vier Wochen. Die Fahrgastzahlen sind auch im letzten Jahr wieder gestiegen – das BürgerBus-Angebot wird in Weyhe gut angenommen: Im Oktober 2016 beförderte der BürgerBus mit Rosemarie Taucke übrigens den 300.000 Fahrgast. Da ließ es sich der BürgerBus-Verein nicht nehmen, die Seniorin persönlich an der Haltestelle Marktplatz in Empfang zu nehmen. Hier überreichte Vize-Vereinsvorsitzenden Hans Töbelmann Rosemarie Taucke einen großen Blumenstrauß.

Mehr zum 300.000 Fahrgast des BürgerBusses Weyhe lesen Sie hier:

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