Begleiter für die Energiewende

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Geschäftsführer Marko Mühlstein

Seit 2013 ist die Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt GmbH (LENA) im Aufbau – und hat die Arbeit bereits aufgenommen. Geschäftsführer Marko Mühlstein berichtet über ihre Angebote für Kommunen sowie Projekte in Sachsen-Anhalt.

Was sind die Aufgaben der im letzten Jahr gegründeten Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt?

Als LENA unterstützen wir Unternehmen, Kommunen und Bürger, die eine Vorbildfunktion bei der Verbesserung der Energieeffizienz, der energetischen Eigenversorgung und der Ressourcenschonung übernehmen wollen. Darüber hinaus verstehen wir uns als fachliche Begleiter der Energiewende in Sachsen-Anhalt. Wir sehen uns als Dienstleister für den öffentlichen Sektor – also Kommunen, Landkreise und die Landesverwaltung – sowie die Wirtschaft und private Verbraucher.

Gibt es spezielle LENA-Angebote für Kommunen?

Ja, für Kommunen bieten wir mehrere Initiativen an: So ermöglichen wir erstmals die Einführung des European Energy Awards (eea) in Sachsen-Anhalt. Der eea ist ein Qualitätsmanagementsystem und Zertifizierungsverfahren, das zur Erfassung von Energie- und Klimaschutzaktivitäten in Kommunen dient. Mit unserem Programm „Energie & Kommune: Klimaschutz = Kostensenkung“ starteten wir eine Qualifizierungsinitiative, in der wir unter anderem geprüfte „Kommunale Energiebeauftragte“ ausbilden.

Welche Projekte begleitet die LENA im Avacon-Netzgebiet?

Hier begleiten wir die Kommunen Arendsee, Seehausen und Osterburg bei der Zertifizierung des eea. LENA vernetzt alle vier energetischen Modellregionen in Sachsen-Anhalt, darunter die „Zukunftsregion Altmark“, die „Energieavantgarde Anhalt“ und die „Modellregion Landkreis Harz“, und begleitet diese, was das Fördermittelprogramm „Sachsen-Anhalt KLIMA“ betrifft. Viermal im Jahr organisieren wir ein Arbeitstreffen dieser Modellregionen, zum Beispiel zum Thema „energieeffiziente Straßenbeleuchtung“, zu dem wir uns übrigens hier im Haus auch mit Experten der Avacon ausgetauscht haben.

Nicht wenige Leser werden Sie von früher kennen, wo Sie im deutschen Bundestag im Bereich Energiepolitik tätig waren. Kommt Ihnen diese Erfahrung bei Ihrer Arbeit zugute?

Durch meine verschiedenen beruflichen Stationen kenne ich das Land Sachsen-Anhalt sehr gut. So habe ich zum Beispiel 15 Jahre in der Altmark gelebt. Als Bundestagsabgeordneter, aber auch in verschiedenen Landesministerien beziehungsweise in der Landesverwaltung habe ich die Verbindungen zwischen der Kommunal-, Landes- und Bundesebene kennengelernt. Das macht sich jetzt bei meiner Arbeit als Geschäftsführer der LENA bezahlt. Unser Ziel ist es ja, die Akteure im Land zu vernetzen.

Bei folgenden Projekten kooperierte Avacon bereits mit der LENA:


Landesnetzwerktreffen „Energie & Kommune“ 2016

Über 50 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs in Deutschland werden für Wärme aufgewendet. Dieser große Anteil bedeutet, dass wir ohne eine Wärmewende das Großprojekt Energiewende nicht schaffen können. Kommunen kommt hier eine sehr zentrale Rolle zu. Wo stehen Städte und Gemeinden auf dem Weg zur Wärmewende? Was hemmt sie und was treibt sie an? Diesen Fragen gingen die Redner und Diskussionen beim 7. Landesnetzwerktreffen „Energie & Kommune“ am 20. Oktober 2016 in Merseburg nach. Als fachlich kompetenter Partner in diesem Bereich war dort die Avacon Natur GmbH vertreten.

Wir brauchen eine Wärmewende

Dabei ging es im ersten Schritt darum, den Begriff der Energiewende nicht mehr zuallererst als Stromwende zu verstehen, sondern auch als Wärmewende – denn im Wärmebereich liegt noch großes Potenzial. „Die Energiewende wurde in den vergangenen 15 Jahren nur als Stromwende diskutiert“, stellte Professor Dr.-Ing. Viktor Wesselak vom Institut für Regenerative Energietechnik der Hochschule Nordhausen fest. Nötig sei es, den Raumwärmebedarf zu senken und im Wärmebereich verstärkt Erneuerbare Energien einzusetzen. Raumwärme macht 29 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs aus, 21 Prozent entfallen auf Prozesswärme und 5 Prozent auf Warmwassererzeugung. Der Anteil regenerativer Energien an der Wärmebereitstellung liegt bisher bei 12 Prozent (2015) und davon wiederum werden 79 Prozent aus Biomasse erzeugt.

Hemmnisse für Kommunen

Die besondere Stellung von Kommunen bei der Wärmewende beleuchtete Prof. Frank Baur, wissenschaftlicher Leiter am Institut für ZukunftsEnergieSysteme IZES gGmbH Saarbrücken. Die Rollen, die sie einnimmt, zählt er auf: Die Kommune ist Versorger und Verbraucher, Finanzierer und Motivator, Organisator, Partner und Koordinator und ein Mittler zwischen Endverbrauchergruppen. „Stadtentwicklung, Energieversorgung und Klimaschutz müssen miteinander verzahnt und die Bürger einbezogen werden. Stabile rechtliche Rahmenbedingungen, eine frühzeitige und transparente Beteiligung der Akteure, konkrete Zielstellungen, eine gemeinsame Strategie und die finanzielle Beteiligung der regionalen Akteure sind Faktoren für den Erfolg“, so Prof. Baur.

Hemmnisse für die Umsetzung der Wärmewende sind ihm zufolge fehlende Personalkapazitäten (für 20 Prozent der Kommunen), das habe eine Umfrage unter 500 Städten und Gemeinden ergeben. 27 Prozent klagten über Finanzierungsprobleme, unter anderem über eine mangelhafte finanzielle Ausstattung der Kommunen. Auch Preisschwankungen auf dem Energiesektor und eine intransparente Wärmeförderung mit sich verändernden Rahmenbedingungen erschwere die Umsetzung mancher Projekte, so das Umfragen-Fazit.

Auf Quartiersebene mehr erreichen

Über Projekterfahrungen mit der Umsetzung des KfW-Programms 432 berichtete Dr. Mario Kremling, Gebietsleiter Sachsen-Anhalt der DSK Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH & Co. KG. In seinem Vortrag lenkte er den Fokus vom einzelnen, zu optimierenden Gebäude auf ein ganzes Quartier, das von ihm sogenannte KlimaQuartier. Denn auf der Quartiersebene können energetische und städtebauliche Aspekte wie energetische Gebäudesanierung, Erneuerbare Energien, Mobilität und Grünflächenentwicklung effektiv zusammengeführt werden. Dr. Kremling nannte dafür ein Best-Practice-Beispiel: So wird im Lutherviertel in Halle die Straßenbeleuchtung auf LED umgestellt und ein Regenwassermanagement eingeführt. Zukünftig sollen Quartiersgaragen für E-Bikes entstehen.

„Die Energiewende entscheidet sich im Wärmebereich – und die Kommunen sind nun gefragt, aktiv zu werden. Wir von Avacon Natur entwickeln als Energiepartner gemeinsam mit Kommunen Konzepte für eine energieeffiziente und klimafreundliche Wärmeversorgung und setzen diese um“, erklärt Kirsten Beier von der Avacon Natur GmbH.

Weitere Informationen, auch zu Best-Practice-Beispielen im Bereich kommunale Wärmewende, finden Sie auf der Internetseite der LENA. Dort werden auch die Vorträge vom Landesnetzwerktreffen „Energie & Kommune“ zum freien Download zur Verfügung gestellt:

www.lena.sachsen-anhalt.de

Mitgliederversammlung des Bundesverbands der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands (eaD) e.V

Am 27. und 28. September 2016 lud die LENA zur 35. Mitgliederversammlung des Bundesverbands der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands (eaD) e.V. in Magdeburg ein. Avacon unterstützte die Mitgliederversammlung der eaD. Dieser fördert die Vernetzung der Energie- und Klimaschutzagenturen untereinander, etwa auch durch die Organisation regelmäßiger Treffen. Mindestens zweimal im Jahr kommen die Mitglieder zum gegenseitigen Ideenaustausch zusammen. Die LENA ist seit 2013 Mitglied des eaD und war erstmalig Gastgeber des bundesweiten Arbeitstreffens. Die verschiedenen Klimaschutz- und Energieagenturen aus ganz Deutschland stellten in Vorträgen ihre Schwerpunkte und Ansätze vor. Aus dem Avacon-Netzgebiet sind die Klimaschutzagentur Weserbergland und die Klimaschutzagentur Region Hannover Mitglied im eaD und waren  ebenfalls vertreten.

Partnerschaft rund um Energiethemen

Aus der anfänglichen Kooperation der LENA mit Avacon KommunePlus sollen der Austausch und die Zusammenarbeit zwischen der LENA und Avacon sowie Avacon Natur in Zukunft noch ausgebaut werden. So sind eine Zusammenarbeit etwa in den Themenbereichen Elektromobilität, Straßenbeleuchtung und intelligente kommunale Energieverbrauchserfassung für Kommunen sowie gemeinsame Kommunikationsmaßnahmen  angedacht. Im Avacon-Netzgebiet verfolgen wir die Zertifizierung von Städten wie Osterburg mit dem european enery award (eea).

27. April 2017

8. Landesnetzwerktreffen Energie & Kommune mit ausgewählten Handlungsempfehlungen aus den Bereichen kommunales Energiemanagement und energieeffiziente Straßenbeleuchtung der Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt (LENA) in Wittenberg. Im Abschluss erwartet Sie ein Rundgang durch die Lutherstadt.
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