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Dorfladen in Deersheim

Dorfladen in Deersheim

Seit November 2016 hat Deersheim wieder einen Dorfladen, eingerichtet in einem ehemaligen Bullenstall. Angeboten werden nicht nur Lebensmittel wie in einem guten alten „Tante Emma-Laden“. Es gibt auch eine kleine Kaffee-Ecke als Treffpunkt, eine Poststelle und einen „Mehrfachnutzungsraum“, unter anderem für Energie-, Renten- und Gesundheitsberatung. Außerdem wird das alte Gutshofgebäude als Markthalle genutzt und steht Vereinen für Veranstaltungen offen. Geplant sind zudem ein Geldautomat und ein Apothekendienst.

In der 798-Seelen-Gemeinde in der sachsen-anhaltinischen Provinz, früher „Zonenrandgebiet“, nahe des niedersächsischen Goslar, hatte sich eine Kernmannschaft engagierter Bürger vor drei Jahren aufgemacht, dem Dorf einen Einkaufsladen zurückzugeben. Sie gründeten eine Dorfladengenossenschaft, warben Geld ein, gewannen Mitstreiter aus dem örtlichen Handwerk und stellten ihr Konzept dem Bundesamt für Ernährung und Landwirtschaft vor. Letzteres schaffte das notwendige finanzielle Polster. Denn der Deersheimer Dorfladen wurde als Leuchtturmprojekt auserkoren und mit 150.000 Euro finanziert. Den Ausschlag für die Entscheidung gab das große Engagement der Deersheimer für „ihr Projekt“. Hinzu kamen Fördergelder aus den europäischen LEADER-Programm. Inzwischen unterstützen 125 Bürger die Dorfladengenossenschaft als Mitglieder und freiwillige Helfer.

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Ortsbürgermeister Wolfgang Englert:

„Dorfladen und Markthalle unter einem Dach, das gibt unserer kleinen Gemeinde ganz neue Impulse. Entscheidend ist aber, dass alle im Ort über das Projekt enger zusammengerückt sind. Daraus sind schon neue Ideen entstanden, unser Deersheim noch attraktiver zu machen. So gewinnt unser Dorf eine ganz neue Zukunftsperspektive."

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Leeser Dorfladen

Leeser Dorfladen

Der Dorfladen in der 1.700 Einwohner zählenden Gemeinde Leese südlich der niedersächsischen Kreisstadt Nienburg (Weser) ist nicht allein auf weiter Flur. Noch gibt es zwei Bäckereien, zwei Fleischereien, Blumenläden, Tankstelle sowie mehrere Gaststätten im Ort. Zudem fährt ein rollender Verkaufswagen durch die Gemeinde. Trotzdem hielten bei einer Befragung 80 Prozent der angesprochenen Bürger eine Verbesserung der Nahversorgung insbesondere mit frischem Obst, Gemüse, Milch, Käse und anderen regional erzeugten Produkten für notwendig. Nach mehrjähriger Vorbereitung durch engagierte Bürger öffnete der „Leeser Dorfladen“ im März 2015 und konnte schon bald die 10.000 Kundin begrüßen. Der Laden läuft auch deshalb so gut, weil er einen Schwerpunkt auf regionale Produkte gelegt hat – es gibt sogar Kaffee, Brot und Wein als „Leeser-Dorfladen“-Hausmarke – und weil sich die Kunden gerne auch im angeschlossenen Kaffee zum Erzählen oder Surfen im Internet bei freiem WLAN treffen. Jeden Mittwoch bietet das Kaffee neuerdings auch einen Mittagstisch an. Das Angebot wird in engem Austausch mit den Kunden ständig erweitert und umfasst inzwischen eine DHL-Station, eine Annahme für eine Reinigung und einen Lieferservice. Darüber hinaus ist im Leeser Dorfladen übrigens auch ein Avacon-Beratungsbüro untergebracht.

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Bürgermeister Grant Hendrik Tonne, zugleich Vorsitzender des wirtschaftlichen Vereins:

„Es war ein hartes Stück Arbeit, aber es hat sich gelohnt. Ohne die fantastische Arbeit unserer Mitarbeiterinnen, das unermüdliche ehrenamtliche Engagement und die finanzielle Beteiligung der Anteilszeichner wären wir nicht so weit gekommen. Für viele unserer Bürger hat unsere Kommune mit dem „Leeser Dorfladen“ ein Stück Lebensqualität hinzugewonnen.“

Fördermittel für Dorfläden

Die Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt halten Fördermittel zur ländlichen Entwicklung bereit. Niedersachsen hat diese Mittel in 2016 auf 80 Millionen Euro aufgestockt. Ein Förderschwerpunkt sind Dorfläden.

Hinzu kommen Fördertöpfe der EU für die ländliche Entwicklung. Die Mittel können für schlüssige Dorfladen-Konzepte ebenfalls über die zuständigen Länderministerien beantragt werden.
Zum einen sind das „Zuwendungen zur Förderung der integrierten ländlichen Entwicklung“ (ZILE-Richtlinie) der Europäischen Union. Zum anderen sind das Mittel im Rahmen des oben bereits erwähnten LEADER-Förderprogramms der EU.

LEADER will Menschen in ländlichen Gebieten dabei unterstützen, Projekte zur Entwicklung ihrer Region umzusetzen. LEADER ist die Abkürzung für „Liaison Entre Actions de Développement de l’Économie Rurale“, zu Deutsch: „Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft“. Grundidee von LEADER ist es, Akteure aus verschiedenen Bereichen – von der Kommune über die Wirtschaft bis hin zu Vereinen und Privatpersonen – zusammenzubringen, um gemeinsam die Entwicklung ihrer Region voranzubringen. In jeder Region entscheidet eine Lokale Aktionsgruppe (LAG) auf Grundlage eines gemeinsam erarbeiteten Regionalen Entwicklungskonzeptes (REK), für welche Projekte die LEADER-Fördermittel eingesetzt werden sollen. Ein Regionalmanagement unterstützt die LAG und die regionalen Akteure dabei, Projektideen zu konkretisieren und die Fördermittel zu beantragen. Dazu gehören ausdrücklich „Projekte zur Entwicklung der Dorfinnenbereiche, der Bau eines neuen Dorfladens durch Umnutzung einer Scheune, Restaurierungen und Umnutzung von historischen Gebäuden“, wie es das niedersächsische Landwirtschaftsministerium auf seiner Website schreibt.

Gut beraten

Beratung zur Projektierung und Gründung von Dorfläden vermittelt die Bundesvereinigung multifunktionaler Dorfläden (BmD). Es hat sich herausgestellt, dass der direkte Austausch mit den Betreibern erfolgreicher Dorfläden die beste Initialberatung bietet, weil neue Initiativen dabei von den gemachten Erfahrungen profitieren und Umwege sowie Fehler vermeiden können. Unter dorfladen-netzwerk.de findet sich eine Zusammenstellung von Dorfläden nach Bundesländern geordnet mit Kurzcharakterisierungen und Kontaktdaten.

Dorfladen-Handbuch

Außerdem gibt der BmD ein zuletzt 2015 aktualisiertes „Dorfladen-Handbuch“ heraus. Es enthält viele Tipps unter anderem zur Entwicklung eines Dorfladen-Konzepts, zur Kosten- und Finanzierungsplanung, zu Problemen und deren Lösung sowie Erfahrungsberichte.

Link zum Download des Handbuchs