Nora Bossong ist die „Roswitha-Literaturpreis“-Trägerin 2016

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Harald Schliestedt gratuliert Nora Bossong

Das „Rosencafé“ auf dem Klosterhügel Brunshausen war bis auf den letzten Platz besetzt, als Bürgermeisterin Franziska Schwarz den „Roswitha-Preis“ der Stadt Bad Gandersheim an die Berliner Autorin Nora Bossong vergab. Es ist der älteste jährlich verliehene Literaturpreis für Schriftstellerinnen in Deutschland. Die unabhängige Jury begründete ihre einstimmige Entscheidung für Nora Bossong damit, dass die 34 Jahre junge Literatin in ihren Romanen und Gedichten „Vergangenheit und Gegenwart ... fast spielerisch ineinander fließen“ lasse, wobei sie „Kunstsinn, Beobachtungsgabe mit einem balladenhaften Erzählstil“ zu verbinden weiß.

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Franziska Schwarz (li.), Nora Bossong

Das literarische Talent von Nora Bossong fiel schon früh auf. Bereits mit 19 Jahren gewann sie den bundesweiten Literaturwettbewerb für Kinder und Jugendliche „Treffen junger Autoren“. Es folgten weitere Preise und Literaturstipendien, unter anderem in New York und im chinesischen Nanjing. Sie studierte Kulturwissenschaft, Philosophie und Literatur an der Humboldt-Universität Berlin, der Universität Leipzig und der Università La Sapienza in Rom (Italien). 2006 erschien ihr erster Roman „Gegend“. Ihr jüngster Roman von 2015 trägt den Titel „36,9o“ und handelt vom Leben des italienischen Politikers und Kommunistenführers Antonio Gramsci vor und während der Mussolini-Zeit.

Der „Roswitha-Preis“

Das staatlich anerkannte Heilbad Bad Gandersheim am Westrand des Harzes vergibt den „Roswitha-Preis“ bereits seit 1973. Er erinnert an Roswitha von Gandersheim, die von etwa 935 bis circa 980 im Stift Gandersheim lebte und dort Heiligenlegenden, Dramen und zwei für Mittelalterforscher heute bedeutende historische Werke verfasste. Damit gilt sie als erste deutsche und zugleich erste christliche Dichterin des Abendlandes. Vor diesem Hintergrund wurde der „Roswitha-Preis“ als reiner Frauen-Literaturpreis konzipiert.

Die Verleihung des mit 5.500 Euro dotierten Preises wird unter anderen von Avacon unterstützt. Avacon-Kommunalreferent Harald Schliestedt war bei der Verleihung des Roswitha-Preises mit dabei und gratulierte Preisträgerin Nora Bossong zu ihrer Auszeichnung.

Die „Roswitha-Stadt“

So bezeichnet sich Bad Gandersheim selbst auf seiner Internetseite. Das 852 gegründete Stift Gandersheim, in dem Roswitha wirkte, bildete die Keimzelle der sich rasch entwickelnden Stadt zu einem religiösen und weltlichen Zentrum mit Münz- und Marktrecht. Die „Dom“ genannte Stiftskirche, geweiht 881, mit ihrem imposanten „Roswitha-Fenster“, stammt in ihrer heutigen Form aus dem 12. Jahrhundert und bildet das Zentrum der historischen Altstadt mit den prächtigen Fachwerkhäusern. Das älteste stammt aus dem 15. Jahrhundert.  Die seit 1959 jährlich veranstalteten „Gandersheimer Domfestspiele“ zählen zu den bekanntesten Open-Air-Theaterfestspielen Norddeutschlands. Am südlichen Rand der Altstadt auf dem Platz vor der ehemaligen Abtei erinnert zudem der „Roswitha-Brunnen“ an die große Tochter der Stadt.

Mehr zum Roswitha-Literaturpreis finden Sie auf der Internetseite der Stadt Bad Gandersheim.

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