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Wetterextreme und Waldbrandgefahr

Hitze und Trockenheit nehmen in Deutschland zu – und damit steigt auch die Waldbrandgefahr. Andererseits kommt es vermehrt zu Starkregen mit verheerenden Folgen. Wie können sich Kommunen rüsten?

Ein Rekordsommer jagt den Nächsten. Auch 2019 gab es wieder einige Superlative: Bereits der Juni war global betrachtet der heißeste Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, wie aus Daten des von der EU betriebenen Copernicus-Dienstes zur Überwachung des Klimawandels hervorgeht. Am 25. Juli wurde in Deutschland mit 42,6 Grad im niedersächsischen Lingen ein landesweiter Rekord aufgestellt. Hinzu kamen geringe Niederschläge: 2018 war das trockenste Jahr seit 40 Jahren, 2019 gab es den trockensten Sommer seit 15 Jahren. Eine große Gefahr für Mensch und Umwelt ist die daraus resultierende Dürre und das vielerorts knapper werdende Grundwasser. Die Landwirte mussten bereits Teile der Ernten wegen Wasserknappheit abschreiben. 

Feuerwehr löscht Waldbrand (© istockphoto/Freder)

Dürre & Waldbrandgefahr

Wichtig zu wissen ist auch, dass Dürre und Bodentrockenheit bleiben, auch wenn die Hitze vorüber ist – und dadurch die Waldbrandgefahr nicht nur in den Sommermonaten besteht. Der Waldbrandgefahren-Index des Deutschen Wetterdienstes (DWD) hatte mancherorts wiederholt die höchste Stufe erreicht. Das Bundesinnenministerium kündigte nun die Einrichtung einer nationalen Task-Force an. Diese soll bei Katastrophenfällen wie beispielsweise den Bränden auf munitionsbelastetem Gebiet 2019 in Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern und in der Lieberoser Heide in Brandenburg, Personal und Geräte wie gepanzerte Waldbrandlöschfahrzeuge, geländegängige Löschpanzer und zusätzliche Löschhubschrauber zur Unterstützung der örtlichen Feuerwehren bereitstellen.

Aufgrund neuerer Untersuchungen der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde und des Potsdam-Instituts für Klimaforschung weiß man, dass alte Laub- und Mischwälder mit heimischen Baumarten sehr viel CO2 einlagern und dadurch entscheidend zum Klimaschutz und zur Kühlung der Landschaft beitragen können. Die Krux: Solche Wälder haben wir kaum noch. Was beispielsweise in Mecklenburg-Vorpommern im Sommer 2019 abgebrannt ist, waren typische Kiefern-Monokulturen. Weit über die Hälfte unserer Wälder sind aufgrund der seit etwa 300 Jahren existierenden sogenannten nachhaltigen Forstwirtschaft nicht naturnah und bestehen überwiegend aus Nadelbaum-Monokulturen. 110.000 Hektar dieser Forste sind 2018 und 2019 vertrocknet, vom Borkenkäfer befallen worden oder abgebrannt. Daher kommen Waldexperten wie Pierre Ibisch, Professor aus Eberswalde, zu dem Schluss, dass ein Brand für den Wald auch eine Chance sein kann. Denn jetzt kann, wenn man den Wald in Ruhe lässt, wieder ein natürlicher Mischwald entstehen.

Ein weiterer Vorteil: Natürliche Wälder sind besser gegen Brände geschützt, da Laubbäume mehr Wasser speichern. Wenn ein Wald sich selbst erneuert, ist allerdings Geduld gefragt, denn das kann über hundert Jahre dauern. Doch mit einer naturnahen Aufforstung ist es auch möglich, diesen Prozess zu unterstützen und zu beschleunigen.

Waldbrandgefahr: Was Kommunen tun können
  • Brandschutz ist eine kommunale Aufgabe: Achten Sie darauf, dass Ihre Feuerwehr gut ausgerüstet ist und deren ehrenamtliche Arbeit auch die entsprechende Anerkennung und Unterstützung findet.
  • Da es von Land zu Land Unterschiede gibt, können Sie die konkreten weiteren Aufgaben Ihrer Kommune aus den Brandschutz- und Katastrophenschutzgesetzen Ihres Landes entnehmen.
  • Empfehlenswert ist die Überwachung besonders gefährdeter Gebiete durch ein kameragestütztes sogenanntes Automatisches Waldbrandfrüherkennungssystem (AWFS) und Feuerwachtürme mit Beobachtern.
  • Bei besonderen Gefahrenlagen ist der Einsatz von Überwachungshubschrauber in den am stärksten waldbrandgefährdeten Gebieten sinnvoll.
  • Sind Wohngebiete in der Nähe des Brandes, muss eine Evakuierung der Anwohner rechtzeitig bekanntgegeben und eingeleitet werden.
  • Für einen reibungslosen Ablauf im Katastrophenfall, kann es sinnvoll sein, Notfallpläne und Krisenmanagement zu prüfen und zu überarbeiten: Informationen und Unterstützung finden Sie beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).
  • Grundsätzlich ist es hilfreich, über die Medien ein Bewusstsein bei der Bevölkerung zur anhaltenden Waldbrandgefahr zu schaffen.
  • In dem Zusammenhang können Verhaltensempfehlungen ausgesprochen und beispielsweise auf das allgemeine Rauch- und Grillverbot in Wäldern (die Zeitspannen sind länderabhängig) sowie die teilweise sehr hohen Bußgelder hingewiesen werden.
Äußere Blitzschutzanlage an einem Haus. (© Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe)

Gewitter & Starkregen

Dr. Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes geht davon aus, dass extreme Wetterereignisse in den nächsten Jahren noch zunehmen werden. Für die Kommunen heißt das: Sie müssen sich darauf einstellen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) rät in seiner Broschüre „Empfehlungen bei Unwetter. Baulicher Bevölkerungsschutz“, sich auf Unwetterereignisse wie Gewitter, Orkan oder Starkregen und Hagel vorzubereiten. Hagel kommt zum Beispiel verstärkt in den Sommermonaten von Mai bis August vor. Denn in Kombination mit Gewittern kann sich Regen in Eiskörner verwandeln. Ihre Größe kann bis zu zehn Zentimeter betragen. Schäden an Gebäuden und Autos drohen: Dachfenster können zu Bruch gehen – auch Solaranlagen und PV-Module sind gefährdet. Deshalb sollte bei ihrer Installation auf Hagelsicherheit geachtet werden.

Gut beraten ist, wer die Meldungen des Deutschen Wetterdienstes beobachtet. Bei Gewitter hält man sich am besten in Gebäuden oder im Auto auf – Fenster und Türen geschlossen. Blitzableiter verhindern in der Regel einen Einschlag, dennoch sollten empfindliche Geräte wie PCs oder Fernsehgeräte vom Netz genommen werden. Im Falle eines Blitzeinschlags empfiehlt sich, Blitzschutzeinrichtungen zu überprüfen, um auch vor künftigen Ereignissen geschützt zu sein.

Ein anderes Unwetterereignis kann Starkregen sein. Das Problem: Nach wochenlanger Trockenheit sind Böden ausgedörrt und weisen Wasser ab, sodass das Wasser nicht versickern kann. Versiegelte Flächen vermindern zusätzlich die Fähigkeit des Bodens zur Wasseraufnahme. Sollte bei Hochwasser dennoch Wasser in das Gebäude eindringen, sollte man es vermeiden, überflutete Räume zu betreten. Überschüssiges Wasser sollte dezentral ablaufen können und saubere Regenrinnen sind das A und O.

Mit dem Wasser kommt häufig der Wind. Er deckt Dächer ab und lässt Ziegel umherfliegen. Bei Metalldächern sind beispielsweise die Rand- und Eckzonen besonders betroffen. Doch wer sein Dach regelmäßig überprüft und die Deckmaterialien ausreichend sichert, kann Schäden geringhalten oder sogar verhindern. Beim Neubau gilt: Ideal ist eine Dachneigung von 20 bis 40 Grad – so hat der Wind wenig Angriffsfläche.

Das BBK bietet zusätzlich zu seiner Website auch Informationen über die App NINA (Notfall-Informations- und Nachrichten-App). Sie liefert aktuelle Warnmeldungen für einen vom Nutzer gewählten Ort oder auch für den jeweiligen Standort direkt aufs Smartphone. Hierfür ist allerdings eine Internetverbindung nötig. Offline stehen auch die Verhaltenstipps in Notfallsituationen zur Verfügung.

Trockenheit & Hitze: Was Kommunen, Landwirte und Bürger tun können

Wenn es sehr warm ist, steigt gleichzeitig der Wasserverbrauch: Landwirte bewässern ihre Felder, Gartenbesitzer sprengen den Rasen und gießen die Blumen. Außerdem wird häufiger geduscht. Tatsächlich knapp wird das Wasser in Deutschland zwar bisher nur selten und lokal begrenzt, doch gerade in ländlichen Regionen ziehen sich Wasserleitungen vielfach über lange Strecken. Wenn nun abends viele Bürger gleichzeitig den Hahn aufdrehen, sinkt die Fließgeschwindigkeit unter Umständen so stark, dass in einigen Haushalten nur noch wenig ankommt.

Sinnvoll ist es daher, wenn Kommunen bei entsprechenden Wetterlagen vorbeugend kommunizieren und den Bürgern Tipps geben, zum Beispiel:

  • Regentonnen bei Bedarf tagsüber mit Wasser aus dem Hahn auffüllen, um abends Rasensprenger & Co. damit zu betreiben.
  • Das Auto nach Möglichkeit tagsüber waschen, am besten zwischen Montag und Donnerstag.
  • Kinderplanschbecken schon morgens füllen.

Mit diesen Tipps lässt sich der Wasserverbrauch entzerren. Wichtig: Kommunen sollten grundsätzlich mit gutem Beispiel vorangehen, beispielsweise bei der Bewässerung der eigenen Grünanlagen. An eventuellen Springbrunnen mit festem Wasserkreislauf empfiehlt sich eine kleine Informationstafel, die darauf hinweist, dass hier kein Wasser verlorengeht.

Sind bei langanhaltender Trockenheit Restriktionen notwendig, ist ebenfalls eine umfassende Information der Bürger entscheidend. Um Verständnis für Verbote zu wecken, sollte offen kommuniziert werden – zum Beispiel über die Mengen an Wasser, die bei der Gartenbewässerung anfallen.