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Wärmelecks auf der Spur

Um kommunale Liegenschaften energetisch zu sanieren und so unnötige Energieverluste zu verhindern, müssen in einem ersten Schritt Wärmeverluste in der Gebäudehülle aufgespürt werden. Dazu können aussagekräftige Thermografie-Aufnahmen zu Hilfe genommen werden. Diese sagen meist mehr als tausend Worte – dazu muss es allerdings draußen kalt und im Gebäudeinneren warm sein.

Die Analyse ergab unter anderem, dass insbesondere an den Fensterfronten im Schwimmhallenbereich viel Wärme verloren geht. Hier zeigt das Thermogramm Temperaturen von Rund 30° Celsius, was fast der Innentemperatur des Bades entspricht. (© Avacon)

Pattensen – gut auf Sanierungsmaßnahmen vorbereitet

Auch die Gemeinde Pattensen in der Region Hannover sicherte sich im Frühjahr 2018 Thermografie-Aufnahmen aus der KommunePlus-Aktion und ließ die Gebäudehülle des Pattenser Bades analysieren. Dies hatte vornehmlich zwei Ziele. Dazu Fred Oeltermann vom Pattenser Bad: „Es sollten zum einen anschauliches Bildmaterial und eine sachkundige Bewertung vorgenommen werden für den Fall, dass Sanierungsmaßnahmen an der Gebäudehülle anstehen.“ Dabei galt es vordringliche Schwachpunkte zu ermitteln, die bei der Priorisierung der Maßnahmen hilfreich sind, sowie weitere Wärmeverluste aufzudecken und zu interpretieren. „Das zweite Ziel war zu überprüfen, ob es zu einem Wärmeverlust im Bereich der Freibadumkleide-Decke kommt und ob die angrenzende Bodenheizung im Obergeschoss einen Einfluss darauf hat“, so der Geschäftsführer.

Das Pattenser Bad wurde vor 45 Jahren eröffnet. Der Baukörper ist seitdem unverändert – nur das damalige Flachdach erweiterte man aufgrund von Undichtigkeiten um ein Pultdach. Seit 2004 betreibt die gemeinnützige Bürger-GmbH, die vom rund 1.000 Mitglieder zählenden Förderverein „Rettungsring e.V.“ unterstützt wird, das „pab“.
 

 

„Große investive Maßnahmen, die dem Erhalt des Betriebs dienen, wurden und werden zusammen mit der Stadt Pattensen durchgeführt. Seit 2005 ließen wir zwar die Technik nach und nach sanieren, Investitionen in den Gebäudekörper gab es jedoch bisher nicht.“

Fred Oeltermann, gemeinnützige Hallen und Freibad Pattensen Betriebs GmbH

Aufgrund der hohen Kosten für umfängliche Sanierungsmaßnahmen an der Gebäudehülle – Dach, Fensterfronten, Betonfassadenunterbau – ist die Kommune darauf angewiesen, Fördermittel zu generieren. Zusammen mit der Wirtschaftsförderung der Stadt und dem Hochbauamtsleiter wird nach solchen Fördertöpfen „gefahndet“. Die Haushaltslage der Stadt lässt keine großen Investitionen in diesem Bereich zu.

„Im kommenden Jahr gibt es bereits Sanierungsarbeiten, die wegen ihrer Dringlichkeit in den Haushalt eingestellt werden mussten. Sobald es aber an die Hülle des Bades gehen sollte, können wir auf die thermografischen Untersuchungen zurückgreifen.“

Fred Oeltermann, gemeinnützige Hallen und Freibad Pattensen Betriebs GmbH

Die roten Flächen im Thermogramm deuten auf Undichtigkeiten im Bereich der Fenster- und Türelemente hin. (© Avacon)

Untersuchung der Grundschule Jerxheim

Anfang Februar 2018 entschloss sich auch die Samtgemeinde Heeseberg im Landkreis Helmstedt für die thermografische Untersuchung ihrer Grundschule in Jerxheim. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt begannen die Avacon-Experten die Messung mit der Wärmebildkamera.

Die Schule ist unterteilt in Altbau, Anbau bzw. Toilettengebäude und Sporthalle. Die Sporthalle wies aufgrund des Alters erwartungsgemäß die besten thermografischen Ergebnisse auf. Allen Gebäudeteilen ist gemein, dass sie das typische Erscheinungsbild ungedämmter Außenflächen aufzeigen, auf denen sich tragende Bauteile wie Decken und Stürze mit unterschiedlichen Wärmeleitfähigkeiten abzeichnen.

Bei der Auswertung der Aufnahmen wurden Auffälligkeiten sichtbar – etwa hohe Wandtemperaturen unterhalb von Fensterflächen. Diese weisen auf Heizkörper hinter der Wand hin, die ihre Wärme an die Fassade abgeben. Ebenso zeigten die Thermogramme Abweichungen im Rahmen- und Dichtungsbereich der Fenster- und Türelemente, die auf Undichtigkeiten zurückzuführen sind.

 

„Die Thermografieaufnahmen sind ein wichtiger erster Schritt für unsere Gemeinde, um Energie zu sparen. Wir werden die entsprechenden Bereiche auf undichte Stellen untersuchen und soweit erforderlich anschließend abdichten lassen.“

Martin Hartmann, Samtgemeindebürgermeister Heeseberg

 

Schmuckstück des Flecken Drakenburg

Samtgemeindemitarbeiterin Sabine Schmidt aus Heemsen hat im Sommer beim Avacon-EM-Tippspiel 2016 eine KommunePlus-Thermografie für eine kommunale Liegenschaft im Wert von 400 Euro gewonnen. Diese wurde im November 2016 eingelöst. Dafür hat sich die Samtgemeinde für die „Ole Schüne“ im Flecken Drakenburg entschieden. „Diese Fachwerkscheune war eines der letzten Gebäude eines ehemaligen Scheunenviertels und dient heute als Vereinshaus für den Heimatverein Drakenburg und wurde zu einer Begegnungsstätte und Mittelpunkt des Dorfes“, erklärt Sabine Schmidt. Heute kann man sich hier ländliche Exponate mit Kleinkunst sowie wechselnde Ausstellungen ansehen – und sich standesamtlich trauen lassen.

Im November waren bei minus drei Grad Außen- und plus zwanzig Grad Innentemperatur die Voraussetzungen dann ideal, um die KommunePlus-Aktion einzulösen: Eine gute Stunde lang wurde die „Ole Schüne“ in den frühen Morgenstunden von allen Seiten mit der Infrarotkamera untersucht.

Wie genau funktioniert das? „Eine Infrarotkamera macht die Wärmeabstrahlung des Gebäudes, durch verschiedene Oberflächentemperaturfarben, sichtbar. Warme Oberflächen leuchten gelb bis rot, kühlere blau und violett. Daran erkennt man auf einen Blick, an welchen Stellen das Gebäude Wärme verliert“, erklärt Marco Sobirey, der die Thermografie-Aktion vor Ort mit begleitet hat. „So entlarven wir Schwachstellen in der Gebäudehülle, durch die Wärme nach außen entweicht. Diese Wärmelecks sind für das bloße Auge nicht zu erkennen“, so der Avacon-Experte weiter.

Fachwerktypische Schwachstellen aufgedeckt

Durch die Fachwerkbauweise bedingt sind auf den Infrarotbildern die tragenden Holzbauteile wie Decken und Stürze aufgrund unterschiedlicher Wärmeleitfähigkeit gut zu erkennen. „Vor allem im Sockelbereich kommt es konstruktionsbedingt aufgrund der damaligen bautechnischen Ausführung zu thermischen Abweichungen“, so Marco Sobirey. Zudem sind die für Fachwerkhäuser typischen Auffälligkeiten auch im Anschlussbereich zwischen den Fenstern und dem Fachwerk zur erkennen. Der Grund: Das Baumaterial Holz „arbeitet“ witterungsbedingt. Sobirey empfiehlt: „Dadurch entstehen Fugen, die durch einen dauerelastischen Dichtstoff abgedichtet werden können.“

Spannend findet auch Gewinnerin Sabine Schmidt die Ergebnisse aus der Kurzanalyse mit zahlreichen Bildern – „normalen“, denen die Infrarotbilder gegenübergestellt wurden. „Ich hoffe, dass wir mit dem Wissen über die Stellen, an denen sich Schwachstellen befinden, diese energetisch optimieren können. Dann geht uns keine Energie mehr unnötig verloren.“