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Bibliotheken als Innovationsorte

Bibliotheken als Innovationsorte
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Deutschland – Land der Dichter, Denker und der Bibliotheken

© zhu difeng/Adobe Stock

Deutschland ist nicht nur das Land der Dichter und Denker, sondern auch das Land der vielen Bibliotheken. Diese bauen in der Gesellschaft eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft. Und: Sie sind Orte für Austausch, Bildung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. „Dort ist meine Heimat, wo ich meine Bibliothek habe“, wusste schon der niederländische Humanist Erasmus von Rotterdam – und heute, fast ein halbes Jahrtausend später, besitzen Bibliotheken nach wie vor eine zentrale Bedeutung. Mit der Einführung des Internets, der elektronischen Medien und Streamingdienste wurde ihnen zwar immer wieder der Untergang prophezeit. Doch es zeigt sich, dass es den allermeisten Bibliotheken gelingt, die Verbindung zwischen Vergangenheit und Moderne zu knüpfen und dabei altes Wissen zu bewahren und auf immer wieder neue Weise, Informationen und Bildung zu vermitteln.

Früher übten bereits gedruckte Bücher auf viele Menschen eine große Faszination aus: Durch die engen Gänge streifend, den suchenden Blick auf die Buchrücken geheftet, in den Regalen stöbernd, nach der nächsten spannenden Lektüre – und dabei darauf bedacht, die Bibliotheksruhe nicht zu stören. Öffentliche Bibliotheken haben heute zumeist ihr bieder-angestaubtes Image längst verloren und sind keine tristen Leihbüchereien mehr, sondern Lernorte mit Multimedia-Ausstattung, Gruppenräumen und ruhigen Arbeitsplätzen. Für viele Menschen in den Kommunen sind sie der sogenannte „Dritte Ort“, an dem sie sich in ihrer Freizeit bevorzugt aufhalten. Denn gerade im ländlichen Raum können sie, neben ihrer althergebrachten Aufgabe des Bewahrens und Bereitstellens von Wissen und als moderne Bildungseinrichtung, auch der neue Mittelpunkt in der Gemeinde, ein Ort der Kommunikation für alle Generationen sein. Hier trifft man sich und tauscht sich aus, zumal wenn andere Kommunikationsorte wie die Post, der Bäckerladen oder die Arztpraxis in den Gemeinden längst verschwunden sind.

„Begegnungsort Bibliothek“ in der Ausnahmesituation Corona

Jetzt in der Coronakrise erfahren wir, wie viel online möglich ist, auch in Bibliotheken, aber auch wie viel verloren geht, wenn die gewohnten persönlichen Begegnungen ausbleiben oder ins Digitale verlagert werden müssen. Und sind Bibliotheken und Büchereien, die als Horte des Wissens und Orte der Begegnung wesentlich zur geistigen, psychischen und sozialen Gesundheit der Gesellschaft beitragen, so gesehen nicht auch systemrelevant? Der Bedarf nach Angeboten von Büchereien jedenfalls war ungebrochen und im ersten Lockdown im Frühjahr 2020 haben viele Büchereien kreative digitale und analoge Lösungen gefunden, um ihre Zielgruppen weiterhin zu erreichen. In dieser Zeit waren sie oftmals die einzigen kommunalen Kultur- und Bildungseinrichtungen, die zumindest noch telefonisch oder per Chat erreichbar waren. Manche ermöglichten sogar einen kostenfreien Zugang zu ihren digitalen Angeboten sowie vereinfachte digitale Neuanmeldungen. Man konnte E-Books ausleihen, auf E-Magazine zugreifen, Filme und Musik streamen, Online-Sprachkurse oder -Tutorials besuchen. Manche boten virtuelle Lesungen und Literaturwettbewerbe sowie Mitmach-Aktionen und Vorlesestunden für Kinder – zum Beispiel auf YouTube oder Facebook. Auch gab es Bücherlieferdienste bis vor die Haustür und Bücherregale in geschützten Außenbereichen. Insgesamt, so der Deutsche Bibliotheksverband, stieg die Nutzung der Angebote um über 45 Prozent. Nach der Lockerung der Beschränkungen waren Bibliotheken unter den ersten Einrichtungen, die – unter Berücksichtigung der Hygienebedingungen – ihre Häuser wieder geöffnet haben. Als Bildungseinrichtungen dürfen Bibliotheken in Teilen der Avacon-Region auch während des Lockdowns im November 2020 geöffnet bleiben.

Übrigens: Das Programm „WissensWandel“ des Deutschen Bibliotheksverbandes (dbv) unterstützt Bibliotheken und Archive mit 10 Millionen Euro dabei, ihre Kultur- und Bildungsangebote digital weiterzuentwickeln. Das Programm ist Teil des von Kulturstaatsministerin Monika Grütters initiierten Rettungs- und Zukunftsprogramms NEUSTART KULTUR und reagiert auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Gefördert werden der digitale Auf- und Ausbau von Services, Angeboten und Medienbeständen sowie die digitale Vermittlung von schriftlichem Kulturgut. Antragsberechtigt sind öffentlich zugängliche Bibliotheken und Archive in kommunaler, kirchlicher, freier oder sonstiger nichtstaatlicher Trägerschaft sowie – in entsprechender Trägerschaft – Organisationen, die im Bibliotheks- und Archivbereich für die Aus- und Fortbildung zuständig sind. Antragsbeginn ist am 02. November 2020.

Demokratische Orte des Wissens, Lernens und der Begegnung

Büchereien jeder Art und Größe sind zu allen Zeiten – Corona oder nicht – auch Orte der Demokratie: Ihr Wissen, ihr Bücherbestand, ihre Datenbanken, elektronischen Medien und weiteren Angebote sind für alle da, unterschiedslos. Damit sind sie ein Grundpfeiler einer freiheitlichen, integrativen und aufgeklärten Gesellschaft. Und sie sind gewissermaßen sogar wirtschaftlich, denn sie investieren in die Bürgerinnen und Bürger ihrer Kommunen – Studien belegen, dass jeder in eine Bücherei investierte Euro sich mehrfach für die Gesellschaft auszahlt. Und doch ist das Informationsmonopol, das Bibliotheken über viele Jahrhunderte innehatten, längst gekippt. Wer heute rasch eine Information braucht, sucht im Internet. Doch will man einer Frage tiefer nachgehen, liefert das Internet zwar eine Vielzahl an Antworten, aber neben wertvollem Wissen auch unbewiesene Behauptungen. Verlässliche Informationen auf dem neuesten Stand der Forschung findet man auf vielen Gebieten letztlich nur in (Fach-)Büchern. Der Wert der Bibliotheken als Lernorte kann auch nicht hoch genug eingeschätzt werden: Denn hier können neben Lesen und Verstehen frühzeitig weitere Schlüsselkompetenzen eingeübt werden, wie beispielsweise Informations-, Recherche- und Medienkompetenz – wesentliche Fähigkeiten im sogenannten Informationszeitalter, in dem es zunehmend von Bedeutung ist, ob man Fakt von Fake zu unterscheiden vermag.

Preise & Auszeichnungen für Bibliotheken

Der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker hat 1995 den Tag der Bibliotheken am 24. Oktober ins Leben gerufen und damit auf ihren Wert als Kultur- und Bildungseinrichtungen aufmerksam gemacht. Alljährlich finden seither an diesem Tag bundesweit Veranstaltungen in kleinen und großen Bibliotheken statt. Seit dem Jahr 2000 wird an diesem Tag auch vom Deutschen Bibliotheksverband (dbv) der mit 20.000 Euro dotierte Preis „Bibliothek des Jahres“ und 2020 erstmals die mit 7.000 Euro dotierte Auszeichnung „Bibliothek des Jahres in kleinen Kommunen und Regionen“ verliehen. Sie soll einen Beitrag zum Image der Bibliotheken in den kleinen Kommunen und Regionen leisten und würdigt Bibliotheken aller Sparten in Städten und Gemeinden mit bis zu 50.000 Einwohnern. Ausgezeichnet wird vorbildliche und innovative Bibliotheksarbeit auch in Teilbereichen (z. B. Veranstaltungsarbeit, Bibliothek und Bildung, Integration, Informationskompetenz u. a.). Auch der Bibliothekspreis der VGH-Stiftung wird, in Zusammenarbeit mit dem niedersächsischen Landesverband des dbv alljährlich vergeben und ist mit 5.000 Euro dotiert. Ausgezeichnet werden Spitzenleistungen in unterschiedlichen Bereichen der Bibliotheksarbeit.

Die Preisverleihungen zeigen, welchen Stellenwert die Digitalisierung, die Förderung der jüngeren Generation und die Bedeutung von Büchereien als „Dritter Ort“ heute in der Bibliothekslandschaft einnehmen. All dies ist nicht nur bei den preisgekrönten Bibliotheken zu beobachten, sondern auch in kleinen Büchereien in der Avacon-Region.

Im Jahr 2020 ging dieser Preis „Bibliothek des Jahres“ an die „TIB – Leibniz-Informationszentrum Technik und Naturwissenschaften und Universitätsbibliothek“ in Hannover. Der Preis wurde der TIB u. a. „verliehen für ihre herausragende Bibliotheksarbeit im Bereich der strategischen Open Science-Transformation, Open Access, Forschungsdaten und der digitalen  Langzeitarchivierung sowie für ihre exzellenten Entwicklungen von Services  an der Schnittstelle von analogen und digitalen Formaten.“ Hauptziel dabei: Wissen und Information frei verfügbar zu machen, zu teilen und das kulturelle Erbe zu bewahren.

Der erstmalig 2020 verliehene Preis „Bibliothek des Jahres in kleinen Kommunen und Regionen“ ging an die Stadtbibliothek Gotha, die sich „durch ihre hervorragende, auf sehr unterschiedliche Zielgruppen abgestimmte Bildungs- und Medienarbeit aus(zeichnet). Dazu gehören u. a. das modular aufgebaute Kinder- und Jugendprojekt ‚Literatur und Zeitgeschichte‘, das Kinderprojekt ‚Vorlesen an ungewöhnlichen Orten‘, die Seniorenakademie, die Erzählcafés sowie die Kinder-Uni in Kooperation mit Museumslöwen e. V.“ Naturwissenschaftliche Angebote für Kinder und dass die Stadtbibliothek als Sitz des Kinder- und Jugendforums als Gremium für kommunale Beteiligung von Kindern und Jugendlichen dient, rundet das Bild ab.

Im Jahr 2020 ging dieser Preis an die Stadtbibliothek in Wolfsburg, die unter anderem dafür ausgezeichnet wurde, als „Ort des Lebens, Lesens und Lernens die (...) vielfältigen Zugänge zur digitalen Welt auch jenseits der Öffnungszeiten (zu eröffnen), ohne auf das Buch zu verzichten. Vorlese- und Sprachbildungsprojekte spielen dabei ebenso eine Rolle wie Poetry- und Travel-Slams, digitale Kreativwerkstätten und Wissensinstallationen. Die Bibliothek wird auf diese Weise zum Knotenpunkt der Wolfsburger Bildungslandschaft.“ Neben der Weiterentwicklung ihres Profils erbringe die Einrichtung auch besondere Leistungen in den Bereichen soziale Medien, Gaming und Öffentlichkeitsarbeit, aber auch bei Angeboten für Geflüchtete.

Zertifizierung: „Bibliothek mit Qualität und Siegel“

Bei einem systematischen Qualitätsverbesserungsprozess will die niedersächsische Landesregierung zusammen mit der kommunalen Büchereizentrale Niedersachsen Büchereien im Land unterstützen. Dafür wurde das Qualitätssicherungs- und Zertifizierungsverfahren „Bibliothek mit Qualität und Siegel“ initiiert, dessen Ziel die erfolgreiche Zertifizierung und die Verleihung des Gütesiegels ist. Je nach Größe der Kommune und Art der Bücherei gelten unterschiedliche Kriterien.

Stadtbibliothek Bassum – „Dritter Ort“ für Groß und Klein

Vor fünf Jahren aus rein ehrenamtlicher Hand übernommen, hat Susanne Tietje, Leiterin der Bücherei in Bassum (Landkreis Diepholz), gemeinsam mit ihren Kolleginnen einen attraktiven Ort der Begegnung für alle Altersgruppen mit einem Bestand an ca. 10.000 dinglichen Medien geschaffen. Ein besonderes Augenmerk haben die Bibliothekarinnen auf ihre größte Zielgruppe gelegt: Kinder und ihre Familien. Vorlese-Angebote wie „Bücher-Zwerge“ für Kinder im Alter von 1 bis 3 für den ersten Kontakt mit Büchern und „Abenteuer Vorlesen“ für 4- bis 10-Jährige wurden vor Corona ebenso gut angenommen wie das Bilderbuchkino und das japanische Erzähltheater, bei dem man besonders mit den Kindern interagieren kann. „Wichtig ist uns dabei, dass wir die Kinder auf möglichst vielen Ebenen erreichen und sie den Bibliotheksbesuch als positives Erlebnis verbuchen.“ Bücherkisten und Medientaschen für Kitas und Schulen, die zu speziellen Themen zusammengestellt werden, oder Themenkoffer für Kinder, die tief in ein Thema eintauchen wollen, sind ein besonderer Service. Abgerundet wird das Angebot durch Tonträger für die Jüngsten, nämlich sogenannte Tonieboxen und Tonies sowie durch Tiptoi-Stifte und eine umfangreiche Auswahl an dazu passenden Spielen und Büchern. Während des Corona-Lockdowns musste die Stadtbücherei Bassum für sechs Wochen schließen. In dieser Zeit wurde das Angebot der Stadtbücherei, über die „Onleihe Niedersachsen“ E-Medien zu entleihen, besonders intensiv genutzt. Hier stehen den Nutzerinnen und Nutzern noch einmal ca. 30.000 elektronische Medien zur Ausleihe zur Verfügung.

Themenkoffer „Dinosaurier“ für wissbegierige Kinder (© Claudia Voss)
Wir verstehen uns auch als Aufenthaltsort, als ‚Dritter Ort‘. Das ist zunehmend der Trend in der Bibliothekslandschaft, dass die Bibliothek als sogenannter ‚Dritten Ort‘ bezeichnet wird. Der erste ist das Zuhause, der zweite die Arbeitsumgebung und der ‚Dritte Ort‘ ist eben ein Ort, an dem man sich einfach gerne aufhält. Das kann das Lieblingscafé, der Park oder der Wald sein – oder die Bibliothek. Daher bemühen wir uns kontinuierlich, unsere Räumlichkeiten schön zu gestalten und eine Atmosphäre für eine angenehme Aufenthaltsqualität zu schaffen.“ 

Susanne Tietje, Leiterin der Stadtbücherei der Stadt Bassum (Landkreis Diepholz)

Dank der Unterstützung durch Avacon konnten für die Neugestaltung der Räumlichkeiten der Stadtbücherei Bassum neue Besuchertische und -stühle sowie für die kleinsten Gäste passende Möbel in Form von Bauernhoftieren für die Kinderecke angeschafft werden. Weiterhin konnte daraus die erforderliche Veranstaltungstechnik für das Angebot des Bilderbuchkinos und für Vorträge finanziert werden und künftig sollen auch Mittel in Autorenlesungen fließen – nach Corona.

Im November-Lockdown 2020 gibt es bei der Stadtbücherei Bassum den Abholservice „Bücher to go“:  Bücher, Hörbücher, Filme oder Spiele können telefonisch oder per E-Mail bestellt und dann zu einem vereinbarten Zeitpunkt kontaktlos vor der Eingangstür der Bücherei abgeholt werden.

Bibliothek Barleben erweitert ihren Bestand – und tritt „Onleihe“ bei

© Gemeinde Barleben

Mit Hilfe von Fördergeldern konnte die Bibliothek Barleben im Landkreis Börde 2020 rund 500 neue Medien anschaffen. Mehr als 200 aktuelle Bücher, Blu-Rays, Hörbücher, Kinder- und Jugendbücher sowie einige Sachbücher sind bereits eingetroffen und in das Bibliothekssystem eingepflegt. Darunter sind Titel wie „Kingsbridge“ von Ken Follett und „Zu viel ist nie genug“ von Marie Trump, der Tatsachenbericht über Donald Trump, den der US-Präsident gerne verhindert hätte. „Wir haben in jedem Bereich Neues in den Regalen stehen“, verkündet Bibliotheksleiterin Manja Selle. Die Maßnahme wurde durch das Land Sachsen-Anhalt mit 3.000 Euro gefördert. Die Gemeinde musste einen Eigenanteil von 3.000 Euro aufbringen. Ab Ende Januar 2021 sollen die Mitglieder auch eBooks, ePaper und eZeitschriften ausleihen können – und später sogar auch eVideos. Dafür hat die Gemeinde Barleben Bundesmittel aus dem Förderprogramm „Vor Ort für Alle“ vom Deutschen Bibliotheksverband erhalten. „Mit diesem Angebot gehen wir in einen zeitgemäßen Veränderungsprozess und stärken unsere Informationskompetenz “, so Manja Selle. Die Vorbereitungen für die „Onleihe“ laufen. Die Gemeindebibliothek hat sich dafür in den Bibliothekenverbund Sachsen-Anhalt eingeklinkt. Hier teilen sich zahlreiche Bibliotheken im gesamten Land einen gemeinsamen digitalen Medienbestand. „Wir müssen somit keine eigenen eBooks, eZeitschriften und eVideos anschaffen. Unsere Mitglieder können über die Onleihe auf ein umfangreiches Angebot an digitalen Medien zugreifen“, erklärt Selle. Immerhin existiert der Landesbestand bereits seit 2014 und wird kontinuierlich erweitert. Voraussichtlich ab dem 27. Januar können sich Nutzer der Gemeindebibliothek die Zugangsdaten für die Onleihe abholen. Der Service ist kostenfrei. Bürgermeister Frank Nase dazu: „Der Weg der Gemeinde Barleben hin zu einer intelligenten Kommune, Stichwort ‚smart cities‘, erhält mit dieser Maßnahme einen weiteren konkreten und sinnvollen Baustein.“

Samtgemeindebibliothek Heemsen erhält Soforthilfe

© Büro Völlers

Gute Neuigkeiten für die Samtgemeinde Heemsen – insbesondere in Corona-Zeiten: Über das „Soforthilfeprogramm Bibliotheken“ wird die Bibliothek in Rohrsen mit rund Zwölftausend Euro vom Bund gefördert. Ziel des Programms ist es, Bibliotheken auch in ländlichen Räumen zu stärken und so einen Beitrag zu gleichwertigen Lebensverhältnissen zu leisten. „Diese Förderung ist gerade jetzt, in Zeiten der Corona-Krise, wichtig und richtig. Bibliotheken sind für uns alle so wertvoll, denn sie bieten kulturellen Zugang sowie Zugang zu verlässlichen Informationen. Gleichzeitig fungieren Bibliotheken auch als Begegnungsort und fördern damit den gesellschaftlichen Zusammenhalt“, so Marja-Liisa Völlers, Bundestagsabgeordnete für Nienburg und Schaumburg bei ihrem Vor-Ort-Besuch im Oktober 2020 zusammen mit Samtgemeindebürgermeisterin Bianca Wöhlke. Die Förderung soll unter anderem für die Umsetzung eines modernen Einrichtungskonzeptes, für die Einrichtung von Leseecken und den Austausch von Regalsystemen verwendet werden. Zudem wird mit der Anschaffung von Laptop, Beamer und Leinwand auch an die Nutzungsmöglichkeiten digitaler Medien gedacht. So soll die Bibliothek zu einem kleinen Medien- und Begegnungszentrum werden.

Stadt-, Kreis- und Gymnasialbibliothek Gardelegen, Foto: Ilka Marten

eSports zwischen Büchern – Gaming-Club der Bibliothek Gardelegen

In der Hansestadt Gardelegen im Altmarkkreis Salzwedel spielt das Tablet ebenso eine wichtige Rolle: Mit dem handlichen Mini-Computer im Gepäck begaben sich unter anderem der Landtagsabgeordnete Jürgen Barth (SPD), Katharina Gawert von der Volksbank, Daniela Arndt von der Sparkasse und Bettina Timme, Mitglied des Fördervereines der Bibliothek, auf eine digitale Schnitzeljagd, auf der die Teilnehmer Fragen beantworten und Aufgaben erfüllen mussten. Dabei lernten sie via App die Bibliothek und ihre Leistungen besser kennen. Das neueste Projekt ist ein Gaming-Club, der sich 2019 in der Bibliothek gegründet hat, der unter anderem eigene Turniere und einen Spieleabend mit dem benachbarten Altenpflegeheim organisierte. Der Club soll zu einer richtigen eSport-Zentrale ausgebaut werden, durch 6000 Euro Eigenbeteiligung und 18.400 Euro Fördermittel aus dem Programm „Vor Ort für Alle“, das Maßnahmen zur Modernisierung von Bibliotheken unterstützt. Mit dem November-Lockdown bietet die Stadt-, Kreis- und Gymnasialbibliothek Gardelegen einen Abholservice – bestellt werden kann ganz einfach telefonisch oder per E-Mail. „Wir wollen mit diesem Angebot erreichen, dass alle Nutzer weiterhin von unserer umfangreich ausgestatteten Bibliothek profitieren können", sagt Bürgermeisterin Mandy Schumacher.

Im Landkreis Stendal ist die Fahrbücherei unterwegs. (© Kreisfahrbücherei Stendal / Anette Rieger)

Fahrbücherei kommt zu den Mediennutzern – im Landkreis Stendal

Regelmäßig auf Tour geht es im Landkreis Stendal mit der Fahrbücherei. Sie startet von Osterburg (Altmark) aus und macht Station in Städten, kleineren Orten und sogar Ortsteilen und hat dabei rund 7.000 Medien mit an Bord. Neben Büchern und Zeitschriften gehören auch CDs und DVDs zum fahrenden Sortiment. Wer einen gültigen Ausweis der Fahrbücherei besitzt, der kann auch auf eBooks und andere Online-Medien zugreifen.

 

 

„Die Fahrbücherei wird von den Menschen vor Ort sehr geschätzt. Denn vor allem Bürger, die in den Dörfern leben, haben oftmals nicht die Möglichkeit, eine der wenigen ortsfesten Bibliotheken im Landkreis zu besuchen.“

Anette Rieger, Leiterin der Stadt- und Kreisbibliothek Osterburg-Stendal

Alljährlicher Höhepunkt: Osterburger Literaturtage

Höhepunkt in der Stadt- und Kreisbibliothek Osterburg-Stendal sind die Osterburger Literaturtage (OLITA), die alljährlich viele Künstler und Gäste anziehen und die im Oktober 2020 bereits zum 21. Mal ausgerichtet wurden.

„Bibliotheksprofil in der Kommune – mit Konzept zur Innovation“

Die Büchereizentrale Niedersachsen hat 2018 und 2019 für 15 niedersächsische Öffentliche Bibliotheken das Arbeitsprogramm „Bibliotheksprofil in der Kommune“ durchgeführt, eine Neuauflage des gleichnamigen Arbeitsprogramms aus früheren Jahren – seit Mitte 2020 sind die Konzepte ausgearbeitet. Das vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur geförderte Projekt zielt darauf ab, die Öffentlichen Bibliotheken bei der Entwicklung, Schärfung und Verankerung eines zielgruppengerechten, zukünftigen Arbeitsprofils für die eigene Kommune zu unterstützen. Dabei wurden im ersten Schritt in Zusammenarbeit mit Experten und in geleiteten Workshops Methoden und Kompetenzen zur Erstellung eines Bibliothekskonzeptes vermittelt. Gemeinsam wurde eine Analyse des Umfeldes durchgeführt und somit die individuellen Ziele der jeweiligen Gemeinde identifiziert und herausgestellt. Schlussendlich wurden die fertigen Profile vor Ort präsentiert. Aus dem Avacon-Netzgebiet konnten beispielsweise Lüchow (Wendland) und Wennigsen (Region Hannover) von dem Programm profitieren und ihr Profil schärfen.

© Samtgemeindebibliothek Lüchow

Die Samtgemeindebibliothek Lüchow (Wendland) hat in ihrem Konzept herausgearbeitet, dass sie ein sozialer Ort sein will, der allen Menschen, egal welchen Alters oder welcher Herkunft ermöglicht, einen generationsübergreifenden Treffpunkt vorzufinden. Ein besonderes Augenmerk soll darauf gelegt werden, auch eher einkommensschwache und bildungsferne Bevölkerungsschichten zu erreichen. Daher gibt es bereits seit 2018 einen „Sozialtarif“ für betroffene Bürger sowie die kostenlose Ausleihe bis zum 18. Lebensjahr. Darüber hinaus stehen die Sprachkompetenz und die frühe Entwicklung einer Medienkompetenz im Vordergrund: „Besonders im Alter von 0 bis 3 Jahren ist es essenziell, die Kinder in ihrer Sprachbildung zu fördern. Die Bücherei ist dabei der beste Partner, wenn es um Vorleseimpulse, Buchauswahl, Medien- und Lesekompetenz geht. Daher wollen wir nun auch verstärkt mit Kitas und Grundschulen zusammenarbeiten“, so Angela Hinz, Leiterin der Samtgemeindebibliothek Lüchow. Dazu gehört auch das Angebot „Leo Lesepilot“ zum Schulanfang. Hier lernen ABC-Schützen spielerisch ihre örtliche Bibliothek kennen.

V.l.n.r.: Caren Bock (Büchereileitung), Petra Lindrum und Nancy Liebke. (© Gemeindebücherei Wennigsen)

Die Gemeindebücherei Wennigsen (Region Hannover) ist eine moderne Familienbücherei, in der man Menschen für Medien begeistert. Dabei soll vor allem der freie Zugang zu Informationen für alle gewährleistet und die Bücherei ein sozialer Ort sein, an dem sich jeder treffen kann. Mit dem räumlichen Umzug der Bücherei im Jahr 2013 wurde auch der Bestand reduziert. Eine Lösung, um Bestandslücken schließen zu können, soll die neue Onleihe bieten, die digitale Ausleihe von Medien. Und auch ein Online-Katalog gestaltet das Angebot flexibler. Im Vordergrund steht auch in Wennigsen die Leseförderung bei Kindern, und damit verbunden soll das Interesse und die Freude am Lesen und an der Literatur vermittelt werden. Um die Kinder für Literatur schon im jüngsten Alter zu begeistern, stehen in der Bücherei Tonieboxen und eine Vielzahl an Tonies zur Ausleihe zur Verfügung. Für Erwachsene sind Autoren-Lesungen und thematische Medienausstellungen geplant.

Die Bücherei ist ein Ort der Begegnung – und so soll es auch in Zukunft sein und bleiben! Die Individualität der Leser soll sich auch in unserer Bücherei widerspiegeln – wir haben immer ein offenes Ohr für unsere Leser und ihre Wünsche.“

Caren Bock, Leiterin der Gemeindebücherei Wennigsen (Region Hannover)

Zahlreiche Nutzer gewonnen – Stadtbücherei Helmstedt

Zahlreiche Nutzer gewonnen - Stadtbücherei Helmstedt
Die Bücherei in Helmstedt hält Online-Angebote parat. (© Stadt Helmstedt / Martina Hartmann)

Bereits seit September 2013 bietet die Stadtbücherei Helmstedt die Möglichkeit an, via Onleihe Lieblingsbücher ganz bequem vom eigenen Sofa aus herunterzuladen und damit virtuell auszuleihen. Die Nutzerinnen und Nutzer können jederzeit auf eine große Auswahl an digitalen Medien zugreifen und diese auf dem eigenen Rechner für eine bestimmte Zeit nutzen.

„Mit der Digitalisierung hat sich das Leseverhalten verändert. Darauf haben wir mit der Onleihe reagiert. Mit Erfolg: Wir konnten bereits zahlreiche neue Nutzer gewinnen.“

Wittich Schobert, Bürgermeister der Stadt Helmstedt

Ratsbücherei Lüneburg setzt auf Kinderbuch-App und Lieferservice

Die Ratsbücherei der Hansestadt Lüneburg, die ebenfalls im Onleihe-Verbund vertreten ist, setzt den Online-Fokus zudem auf den Nachwuchs und hat aus diesem Grund die Kinderbuch-App „Tiger Books“ (Tibo) eingeführt. Darüber stehen circa 4.000 interaktive Bilder-, Kinder- und Hörbücher sowie Lernspiele bereit, mit denen Kinder von zwei bis zehn Jahren spielen, lesen und lernen können.

Tiger-Books
Mehr Service: Die Kinderbuch-App „Tiger Books“ vermittelt jungen Lesern in Lüneburg Medienkompetenz. (© Tiger Media Deutschland GmbH, Hamburg)

 

„Das Besondere dieser pädagogisch wertvollen App ist das interaktive Element – die Kinder hören nicht nur zu, wie ihnen vorgelesen wird, sie können auch etwas anklicken und die Geschichte selbst mitgestalten. Mit dieser App können wir unserem Auftrag hinsichtlich der Medienkompetenz effektiv nachkommen und so die jungen Leser bei ihrem ersten digitalen Zugang in die Welt der Bücher an die Hand nehmen.“

Antje Bechly, Leiterin der Kinder- und Jugendbücherei

Die App kann jeder nutzen, der im Besitz eines Bibliotheksausweises ist. Die Leihfrist liegt bei drei Wochen.

Im Corona-Herbst 2020 kommt als neues Angebot ein wöchentlicher Lieferservice hinzu: Für Leserinnen und Leser über 60 Jahre oder mit Handicap rollen die Bücher! Genau wie beim Take-Away-Service können telefonisch bis zu 5 Medien bestellt werden und werden dann im Umkreis bis zu zehn Kilometer jeden Mittwoch bis an die Haustür geliefert. Anruf beim Service-Telefon genügt!

Bibliotheken – Orte der Begegnung und des Wissens

Die Beispiele zeigen: Die Bedeutung und Ausrichtung von Bibliotheken haben sich im Zuge der Digitalisierung gewandelt. Aufgaben, Strategien und nicht zuletzt das Sortiment wurden angepasst und neu definiert. So stellen Bibliotheken längst nicht mehr nur gedruckte Medien wie Bücher, Fach- und Tageszeitschriften, Datenträger wie CDs, DVDs sowie Online-Datenbanken bereit. In Workshops, Seminaren, Kolloquien und Ausstellungen vermitteln sie inzwischen auch den Umgang mit digitalen Medien und deren Inhalten und bilden somit die Schnittstelle zwischen analoger und digitaler Welt. Bibliotheken haben also großes Potenzial – beispielsweise auch als Ort der Begegnung. Man kann sich hier treffen, um etwa Lesecafés oder Bücherflohmärkte zu besuchen. Außerdem bieten sie Menschen Raum, um sich gegenseitig zu helfen und um neue Techniken zu vermitteln – bei entsprechender Ausstattung zum Beispiel auch den 3-D-Druck. Da Bibliotheken die technische und räumliche Infrastruktur stellen können, sind sie sowohl Vermittler als auch Ermöglicher – und an dieser modernen Entwicklung hätte sicherlich auch Erasmus von Rotterdam seine helle Freude gehabt.

Franz-Reinhard Habbel, Schriftsteller und ehemaliger Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB) © Florian Büttner / laif

Nachgefragt!

Wir haben Franz-Reinhard Habbel gefragt: Welchen Beitrag können Bibliotheken heute und künftig zur gesellschaftlichen Teilhabe und zum Wissenstransfer leisten – wie müssen sie dafür aufgestellt sein?

Bibliotheken sind Orte des Wissens und der Begegnung. Für Städte und Gemeinden haben sie eine eminent wichtige Bedeutung. Sie bringen Menschen zusammen, öffnen durch Literatur die Welt, vermitteln Wissen und sind zentrale Bausteine in der Bildung. Bibliotheken sind Schnittstellen zwischen globalem und lokalem Wissen und als physischer Ort auch in der digitalen Welt unverzichtbar. Gleichwohl müssen sich die Raumstrukturen der Gebäude neuen Kommunikationsformen anpassen. Notwendig ist ein kommunikatives Ambiente, das Kreativität fördert. Die Digitalisierung schafft auch in Zeiten der Pandemie neue Möglichkeiten. Erste Kommunen beginnen damit, eine Art „Paketstation“, wie wir sie von Paketdienstleistern im öffentlichen Raum kennen, für die Auslieferung von Dokumenten aber auch von Büchern aus kommunalen Bibliotheken aufzustellen. Bürgerinnen und Bürger können so rund um die Uhr an allen Tagen bestellte Bücher per QR-Code in Empfang nehmen. 

Wie könnte so ein Umfeld aussehen?

Co-Working Spaces – oder neuerdings Work-Community-Center – sind als Teil neuer Bibliotheken ebenso denkbar wie Bürgerämter und Räume für 3-D-Druck, Start-ups oder Sprachkurse. Auch die Zivilgesellschaft ist Teil einer neuen Bibliothekslandschaft. Plattformen, wie beispielsweise das digitale Stadtgedächtnis in Coburg, erweitern und demokratisieren nicht zuletzt die Wissensinfrastruktur. Sie fördern die Teilhabe in der Kommune. "Bürger schaffen ihre lokale Bibliothek selber" könnte daher ein Slogan für die Bürgergesellschaft sein. Für die Stadt bedeutet dies, neue Partnerschaften auch mit den Bürgerinnen und Bürgern einzugehen. Bibliotheken sind wichtige Hotspots der offenen Gesellschaft.