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Hilfe, die ankommt

Der Krieg in der Ukraine stellt Kommunen und Avacon vor neue Herausforderungen. Lesen Sie an drei kommunalen Beispielen, wie Hilfsangebote koordiniert werden. Erfahren Sie zudem im Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden Marten Bunnemann, welche Maßnahmen Avacon ergreift und was die Situation für die Sicherheit der Energieversorgung bedeutet.

Digitale Koordination im Landkreis Lüneburg

Viele packen mit an: In der kleinen Gemeinde Sumte (Amt Neuhaus) wird an Unterkünften für Geflüchtete gewerkelt. (Foto: Landkreis Lüneburg)

Eine Internet-Seite bringt Hilfe für Geflüchtete schneller ans Ziel. Und viele Helfer. Die Aktion des Landkreises Lüneburg findet überregional Beachtung.

Die meisten Kommunen stehen vor ähnlichen Aufgaben – und alle Geflüchteten vor denselben Problemen. Für den Landkreis Lüneburg stand deshalb fest: Den Menschen aus der Ukraine bei ihren Fragen helfen und Hilfe schnell und zielsicher organisieren, das funktioniert über eine Plattform im Internet am besten.  

„Wir profitieren von unseren Erfahrungen aus der Corona-Pandemie“, erklärt Katrin Holzmann, Leiterin Presse und Öffentlichkeitsarbeit in Lüneburg, „viele Menschen wollen eine Antwort auf behördliche und lebenspraktische Fragen.“ Für die Menschen aus der Ukraine, angekommen in einem fremden Land, gilt das besonders. Sie brauchen eine Unterkunft, Hygieneartikel, medizinischen Rat, tausend kleine und große Dinge. An wen sollen sie sich wenden, wer hilft, wer ist zuständig? Nach einer Woche, berichtet Holzmann, war die Webseite aufgesetzt, für Hilfe Anbietende wie für Hilfe Suchende. In Deutsch, vieles auf Russisch, Zug um Zug auch in ukrainischer Sprache. Überall in Deutschland kann diese Seite genutzt werden, und wen es nach Lüneburg verschlagen hat, der erhält auch gleich den zuständigen Ansprechpartner für sein Anliegen. 

Landrat Jens Böther (Foto: Jan-Rasmus Lippels / www.frische-fotografie.de)

Anfang März wurden die Hilfsangebote in einer Runde um Landrat Jens Böther und den Bürgermeistern der Kommunen koordiniert: Wo kommen Geflüchtete an, wie werden ihnen Unterkünfte vermittelt, welche Angebote für Kinder oder Sprachkurse gibt es? „Alles was vor Ort passiert, ist wichtig“, erklärt Böther, „alle sind gut untergebracht.“ Von der Notfall-Medizin bis zur Arbeitsagentur sorgen klare Zuständigkeiten dafür, dass es die Kommunen leichter haben. Der Landkreis bündelt die Informationen; daraus entstand eine Datenbank für den angebotenen Wohnraum. „Und wenn irgendwo schon zwei Kleiderkammern da sind, brauchen wir keine dritte im Ort“, ergänzt Holzmann.  

Alle zwei Wochen trifft sich Böthers Krisenstab mit den Kommunen – von Krisenmodus keine Spur. Selbst schwierigste Probleme werden ruhig und sachlich diskutiert. „Aufgaben verteilen wir auf möglichst viele Schultern, das hat sich bewährt“, hält der Landrat fest. 

Auch Sumte zeigt sich entspannt. 2015 ging der Name der Gemeinde um die Welt: 100 Einwohner geben 1000 Geflüchteten ein Obdach. Wie das funktioniert, zeigt das kleine Dorf auch im Jahr 2022. Circa 180 Menschen, vorwiegend Frauen und Kinder sowie einige Ältere, sind vorübergehend in Sumte untergekommen. Platz für 700 ist vorhanden.

Biederitz hilft

Gemeinsamer Nachmittag des Netzwerks Flüchtlingshilfe Biederitz mit ukrainischen Kindern. (Foto: Netzwerk Flüchtlingshilfe Biederitz)

Alle ziehen an einem Strang: Kay Gericke, Bürgermeister der Einheitsgemeinde im Jerichower Land, erklärt, wie.
Bürgermeister Kay Gericke. (Foto: Rayk Weber)

Zuallererst müssen die Menschen eine Wohnung finden. Viele haben ein privates Quartier „auf Zeit" gefunden. Jetzt bemüht sich die Wohnbaugenossenschaft, Wohnraum zur Verfügung zu stellen, und die Gemeinde kümmert sich um eine zumindest provisorische Möblierung. Zurzeit leben 68 Geflüchtete in Biederitz, darunter viele Frauen und Kinder. Sachspenden sind nützlich, das erspart Ausgaben. „Die nächste Aufgabe: Die Sprache ist Grundlage für alles Weitere, für Arbeit und Integration“, meint Gericke.

Reden ist wichtig 

Grundsätzlich ist der Landkreis die erste Instanz, Geflüchteten zu helfen. Er verteilt sie auf die Kommunen. Die Geflüchteten in Biederitz sind angemeldet, die Kinder besuchen seit dem Frühsommer Kita und Schule. Das Zusammensein mit anderen Kindern – Schule, Sport, Freizeit – ist der beste Weg, sich zu integrieren. „Wir haben Paten für die Menschen“, ergänzt Gericke, „der Kontakt ist ungemein wichtig.“

Viele Helfer  

Viele Ehrenamtliche helfen bei Fragen zu Krankenkasse, Arbeit, Sprachkursen. „Man würde sich wünschen, dass alles schneller geht“, sagt Bürgermeister Gericke, „aber manches Amtliche dauert eben seine Zeit. Brotbüchsen für Kinder, reparierte Fahrräder – eine Menge Hilfe spielt sich im Kleinen ab, „in unzähligen einzelnen, beeindruckenden Geschichten“, ergänzt Gericke.

 

Im Einsatz für die Partnerstadt

Barsinghausen

Die ukrainischen Kinder besuchten den Zoo in Hannover. (Foto: Amy Schumacher, Kinderhilfe Ukraine e. V. Barsinghausen)

Zwei Monate waren 44 Kinder aus der Ukraine zu Gast. Kovel ist seit vielen Jahren Partnerstadt von Barsinghausen. Die Schülerinnen und Schüler verbrachten auf Initiative der Kinderhilfe erlebnisreiche und vor allem sichere Tage in der Region Hannover. 

„Man möchte einfach helfen.“ Wie Bürgermeister Henning Schünhof berichtet, gab es von Anfang an sehr viel Eigeninitiative und privates Engagement, um Geflüchtete aufzunehmen oder Spenden in die Partnerkommune auf den Weg zu bringen. „Viele Kontakte bestehen seit Langem und sind im Laufe der Jahre gewachsen“, so Schünhof. Anfangs sind manche Menschen in Barsinghausen gestrandet, mittlerweile läuft die Zuweisung an Kommunen nach einer bundesweit geltenden Richtlinie. 

Hilfsgüter für die ukrainische Partnerstadt werden für den Transport bereit gemacht. (Foto: Lilli Bischoff, Kinderhilfe Ukraine e. V. Barsinghausen)

„Die große Anteilnahme hält an“, freut sich der Bürgermeister, „mehr als erwartet, ich bin positiv überrascht.“ Neun Hilfslieferungen wurden bereits auf den Weg gebracht, von Windeln bis zur Gehhilfe war alles dabei. In ihren Videokonferenzen stimmen sich die beiden Bürgermeister der Partnerstädte über den konkreten Bedarf in der Ukraine ab. Auch zwei Feuerwehrfahrzeuge, die vor der Ausmusterung standen, wurden in Polen an die Partner in Kovel übergeben. 

Schünhof ist froh, dass die Hilfe auf kommunaler Ebene so direkt erfolgen kann und immer wieder anspornt. Noch mehr würde er sich natürlich wünschen, dass in der Partnerkommune bald wieder Frieden einkehrt. 

Sport und Zoo, Schule und Heimweh

Seit vielen Jahren engagiert sich Lilli Bischoff vom Verein Kinderhilfe Ukraine e.V. Barsinghausen für die Partnergemeinde. Begonnen hat es bald nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl schon Anfang der 1990er-Jahre. Für Kinder aus bedürftigen Familien und Waisen stellte der Verein ein einmonatiges Ferienprogramm auf die Beine. Und seither jedes Jahr, außer in einem Corona-Jahr gelang das immer. „Sofort nach Kriegsbeginn“, erzählt die Vereinsvorsitzende, haben sie eine große Gruppe von Kindern herausgeholt, „dank vieler Spenden und Einladungen konnten wir ihnen ein tolles Programm mit Sport und Spiel, Ausflügen wie dem Zoobesuch und Einkäufen bieten.“ So durfte sich jedes Kind ein paar Schuhe nach Wahl aussuchen, eine schöne Erfahrung. Nach einem Monat wartete doch der Schuljahres-Abschluss auf die Schülerinnen und Schüler – und das Heimweh wollte nicht mehr verschwinden. Gut, dass die Kinder mittlerweile ohne große Gefährdung wieder in ihre Heimat zurück konnten.  

Zweimal brachte die Kinderhilfe auch einen 20-Tonner, beladen mit Hilfsgütern aller Art – Matratzen, Decken, Kissen, Kleidung, Lebensmittel und Medikamente -, auf den Weg. „Wir sind immer wieder überwältigt von dem Mitgefühl und der großen Hilfsbereitschaft“, erklärt Lilli Bischoff, „sie drücken das Vertrauen in die Partner aus, die wir seit Langem kennen.“ Und Spenden kann die ukrainische Partnerstadt auch weiterhin gut gebrauchen. 

Vier Fragen an ...

Marten Bunnemann, Vorsitzender des Vorstands von Avacon 

Nicht nur die Kommunen sehen sich neuen Herausforderungen gegenüber. Auch Avacon ergreift nach dem erfolgreichen Krisenmanagement der letzten beiden Pandemiejahre erneut besondere Maßnahmen, um die Sicherheit und Stabilität der Netze zu gewährleisten, und leistet Hilfe für die Menschen in der Ukraine. 
Foto: Marten Bunnemann, Avacon-Vorstandsvorsitzender (© André Walther)

Herr Bunnemann, was ist Ihr erster Gedanke angesichts der Situation in der Ukraine?

An erster Stelle steht das Leid, das wir seit Monaten täglich sehen. Viele Menschen, die vor Tod und Zerstörung aus ihrer Heimat fliehen mussten, die Freunde oder Angehörige verloren haben, durch ihre Flucht und die Umstände traumatisiert sind. Ihnen gilt unsere Solidarität. 

Avacon Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben in privater Initiative von Anfang an viel geleistet: Sie haben Geld gespendet, materiell unterstützt, Hilfstransporte organisiert, selbst mit angepackt. Die Spenden an das ukrainische Rote Kreuz hat Avacon verdoppelt und erfolgreich Aktionen wie aktuell „Avacon läuft“ gestartet. Bei dieser jährlichen Lauf-Challenge können Mitarbeitende der Avacon Gruppe über Bewegungskilometer zu einem Spendentopf beitragen. Im vergangenen Jahr haben wir 2.000 Bäume im Harz gepflanzt, in diesem Jahr unterstützen wir notleidende Menschen in der Ukraine. Die große Hilfsbereitschaft und diese Hilfen halten weiter an, damit Geflüchtete hier zumindest vorübergehend in Sicherheit leben können und ihr Leben wieder eine Perspektive erhält.

 
Welche Auswirkungen des Kriegs und welche Folgen sehen Sie mit Blick auf die Sicherheit der Energieversorgung?

Kurzfristig scheint die Lage bei Kohle und Öl weniger kritisch, beim Erdgas haben sich die Speicherstände in den vergangenen Wochen erholt. Nach Angaben der Bundesnetzagentur waren es am 11. Juli 64,6 Prozent. Privaten Verbrauchern sichert das ihre Versorgung; für Industrie und Gewerbe teile ich Zweifel und Skepsis - obwohl der Bezug von russischem Gas von anteilig 55 bereits auf 35 Prozent zurückgegangen ist. Seit Juni verlangsamt sich der Gasfluss deutlich, eine beunruhigende Situation. Wie ernst die Lage mittlerweile ist, kann man daraus ersehen, dass Bundeswirtschaftsminister Habeck am 23. Juni die Alarmstufe, die zweite Stufe des Notfallplans Gas, ausgerufen hat – eine nachvollziehbare Entscheidung. Durch die Ausrufung der Alarmstufe ändert sich jedoch zunächst nichts am grundsätzlichen Status Quo.

In der öffentlichen Diskussion wird manches vermischt und dadurch unklarer. Optionen auf dem Strommarkt, sei es die Reaktivierung fossiler oder der Weiterbetrieb atomarer Kraftwerke, schaffen nur eine kleine Entlastung auf dem Wärmemarkt oder für die Industrie, wo Erdgas nicht nur für Wärme und Prozesse, sondern auch als Rohstoff benötigt wird. Erneuerbare Energien spielen auf dem Stromsektor mit 45 Prozent bereits eine zentrale Rolle – beim Heizen und im Verkehr dagegen eine eher marginale.

Die Bundesregierung engagiert sich stark dafür – das ist ausdrücklich zu begrüßen -, Alternativen auf dem Gasmarkt zu schaffen. Allerdings bestimmt Knappheit zurzeit die Marktlage und treibt die Preise in nie gekannte Höhen. Expertenschätzungen zufolge können mittel- bis langfristig bis zu 20 Prozent Erdgas eingespart oder substituiert werden. Dennoch bleibt beim Verzicht auf russisches Gas eine Lücke, für die dauerhaft Ersatz oder anderweitige Lösungen gefunden werden müssen.

 
Was kann Avacon in dieser Situation tun, was tut Avacon?

Wir sind weder Händler noch Verkäufer von Erdgas, in unserem 21.000 Kilometer langen Netz sorgen wir täglich für höchstmögliche Verlässlichkeit in der Gasverteilung, für alle, die Gas verbrauchen oder über Avacon-Netze beziehen. Eine Task Force, die im ständigen Austausch mit Bundesnetzagentur und Ferngas-Netzbetreibern steht, koordiniert unsere Aktivitäten. Im Interesse der Verbraucher und entsprechend den aktuellen Planungen der Regierung. 

 

Welche Perspektiven sehen Sie aktuell und auf lange Sicht für die deutsche Gasversorgung?

Zunächst einmal müssen derzeit große Mengen Erdgas beschafft werden, um den unmittelbaren Bedarf zu sichern. Mittelfristig wird LNG (Flüssig-Erdgas) eine starke Rolle spielen. Dafür werden Tankschiff-Kapazitäten und Terminals benötigt, so schnell wie möglich.

Vor allem aber befürworten wir den Ausbau Erneuerbarer Energien und der Kapazitäten für Wasserstoff, grünen Wasserstoff. Er wird eine Schlüsselrolle bei der künftigen Energieversorgung erhalten – dekarbonisiert, in großem Maßstab und dazu noch finanzierbar. Das ist die große Herausforderung und steckt das energiepolitische Dreieck aus Umweltverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit neu ab. 

Dies bedeutet die Weiterentwicklung und Ausrichtung unserer Gasnetzinfrastruktur in Richtung klimaneutraler Gase. Um einerseits unabhängiger zu werden von Importen und andererseits unsere Klimaziele weiterzuverfolgen und CO2-Reduktion und Nachhaltigkeit konsequent umzusetzen. 

Dafür brauchen wir gesellschaftliche Akzeptanz und starke kommunale Partnerschaften. 

Energie für den Wiederaufbau

Die Hilfsbereitschaft in Deutschland für die Menschen in der Ukraine ist groß. Neben akuter humanitärer Hilfe benötigt das Land Unterstützung für den Wiederaufbau der Infrastruktur. Die Energieversorgung ist ein zentraler Aspekt. 

Das ukrainische Energieministerium hat um die Spende spezifischer technische Güter gebeten, die für Wartung und Instandsetzung der Energieversorgung im Land erforderlich sind. Avacon und weitere Gesellschaften aus dem E.ON Verbund unterstützen die Aktion auf Initiative des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft sowie der Industrie- und Handelskammern. „Wir konnten konkret angefragtes Material bereitstellen“, berichtet Tim Schuster, Leiter Lagerwirtschaft Avacon. „In der Ukraine gibt es viele Freileitungen, daher spenden wir Isolatoren, Mastbefestigungen und weitere Materialien, die sofort von Nutzen sind“.  

Das Material wurde Ende Juni von DB Schenker nach Polen gebracht. Dort übernahm die polnische Regierung den Weitertransport in die Ukraine.

(v. l.) Tim Schuster (Abteilungsleiter Lagerwirtschaft) und Christian Busse (Koordination Lagerwirtschaft) organisieren die Abholung der gespendeten Materialien.