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Die Brückenbauer

Bibliotheken als Innovationsorte

Deutschland – Land der Dichter, Denker und der Bibliotheken

Deutschland ist nicht nur das Land der Dichter und Denker, sondern auch das Land der vielen Bibliotheken. Diese bauen in der Gesellschaft eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft. Und: Sie sind der Ort für Austausch, Bildung und für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben.

„Dort ist meine Heimat, wo ich meine Bibliothek habe“, wusste schon der niederländische Humanist Erasmus von Rotterdam – und heute, fast ein halbes Jahrtausend später, besitzen Bibliotheken nach wie vor eine zentrale Bedeutung. Sie schaffen eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Moderne, weil sie altes Wissen bewahren und Bildung vermitteln. 

© Steve Debenport - iStock

Seit 2000 wird der nationale Bibliothekspreis vom Deutschen Bibliotheksverband (dbv) vergeben. Im Jahr 2017 ging dieser Preis an die Universitätsbibliothek „Albertina“ in Leipzig, die unter anderem für ihren kontinuierlichen Ausbau bei der Nutzung digitaler Medien ausgezeichnet wurde. Ein Zeichen, welchen Stellenwert die Digitalisierung auch im Bibliothekswesen heute einnimmt. Doch die fortschreitende Digitalisierung ist nicht nur in großen Bibliotheken wie in der Messemetropole zu beobachten, sondern auch in kleinen Büchereien im Avacon-Netzgebiet.

Online-Services bieten mehr Komfort – etwa in Twistringen

Ein Beispiel für die digitale Nutzung von Medien ist die Online-Bibliothek „Onleihe on Tour – Deine Bibliothek (für) unterwegs!“ von „biblio24“. Auf www.NBib24.de findet sich das Portal, in dem Nutzer diverse digitale Medien wie E-Books, E-Papers, E-Audios und E-Videos Tag und Nacht spielend leicht ausleihen können. Alle Kunden von teilnehmenden Bibliotheken können dieses Angebot wahrnehmen – zum Beispiel auch jene der Bibliothek in Twistringen im Landkreis Diepholz.

Martin Schlake, Bürgermeister von Twistringen (© Martin Schlake)
„Das ist ein toller Service, der viele Kulturbegeisterte anspricht. Ob Romane für Lesefreunde, Fachinformationen für Schüler und Studenten, das neue Album der Lieblingsband oder ein Film fürs Wohnzimmerkino – bei NBib24 findet jeder, was er sucht. Auch ich nutze das Portal ab und an.“ 

Martin Schlake, Bürgermeister (parteilos) der Stadt Twistringen

Dank dieses Angebots kann eine Bibliothek ihr digitales Portfolio erweitern, wobei derzeit maximal zehn Medien parallel ausgeliehen werden dürfen. 

Zahlreiche Nutzer gewonnen – Stadtbücherei Helmstedt

Die Bücherei in Helmstedt hält Online-Angebote parat. (© Stadt Helmstedt / Martina Hartmann)

Auch die Stadtbücherei Helmstedt bietet seit vier Jahren die Möglichkeit an, via Onleihe Lieblingsbücher ganz bequem vom eigenen Sofa aus herunterzuladen und damit virtuell auszuleihen. Die Nutzer können jederzeit auf eine große Auswahl an digitalen Medien zugreifen und diese auf dem eigenen Rechner für eine bestimmte Zeit nutzen.

„Mit der Digitalisierung hat sich das Leseverhalten verändert. Darauf haben wir mit der Onleihe reagiert. Mit Erfolg: Wir konnten bereits zahlreiche neue Nutzer gewinnen.“

Wittich Schobert, Bürgermeister der Stadt Helmstedt

Für Kinder – Ratsbücherei Lüneburg setzt auf App

Die Ratsbücherei der Hansestadt Lüneburg, die ebenfalls im Onleihe-Verbund vertreten ist, setzt den Online-Fokus zudem auf den Nachwuchs und hat aus diesem Grund die Kinderbuch-App „Tiger Books“ (Tibo) eingeführt. Darüber stehen circa 4.000 interaktive Bilder-, Kinder- und Hörbücher sowie Lernspiele bereit, mit denen Kinder von zwei bis zehn Jahren spielen, lesen und lernen können.

Mehr Service: Die Kinderbuch-App „Tiger Books“ vermittelt jungen Lesern in Lüneburg Medienkompetenz. (© Tiger Media Deutschland GmbH, Hamburg)

 

„Das Besondere dieser pädagogisch wertvollen App ist das interaktive Element – die Kinder hören nicht nur zu, wie ihnen vorgelesen wird, sie können auch etwas anklicken und die Geschichte selbst mitgestalten. Mit dieser App können wir unserem Auftrag hinsichtlich der Medienkompetenz effektiv nachkommen und so die jungen Leser bei ihrem ersten digitalen Zugang in die Welt der Bücher an die Hand nehmen.“

Antje Bechly, Leiterin der Kinder- und Jugendbücherei

Die App kann jeder nutzen, der im Besitz eines Bibliotheksausweises ist. Die Leihfrist liegt bei drei Wochen.

Handwerkliche und digitale Kompetenz – vermittelt von der Stadt- und Kreisbibliothek Genthin

Ein weiteres Beispiel für die Vermittlung unterschiedlicher Kompetenzen ist in der Stadt- und Kreisbibliothek der Einheitsgemeinde Genthin im Landkreis Jerichower Land zu finden. Für Kinder im Alter von vier bis elf Jahren werden wöchentlich Tablet- und Bastelkurse angeboten. Bürgermeister Thomas Barz erklärt das Engagement der Genthiner Bibliothek:

Thomas Barz, Bürgermeister von Genthin (© Thomas Barz)
„Wir möchten Kindern auf diese Weise frühzeitig den sicheren und verantwortungsvollen Umgang mit modernen Medien wie einem Tablet vermitteln und dabei zugleich ihre Lese- und Bastelfreude fördern.“

Thomas Barz, Bürgermeister der Stadt Genthin

Ein Konzept, das offenbar aufgeht:

„Die Angebote sind gut besucht, die Resonanz ist hervorragend und zeigt uns, dass wir damit einen Nerv getroffen haben.“

Bücherei besser kennenlernen – dazu bietet Gardelegen eine App

In der Hansestadt Gardelegen im Altmarkkreis Salzwedel spielt das Tablet ebenso eine wichtige Rolle: Mit dem handlichen Mini-Computer im Gepäck begaben sich unter anderem der Landtagsabgeordnete Jürgen Barth (SPD), Katharina Gawert von der Volksbank, Daniela Arndt von der Sparkasse und Bettina Timme, Mitglied des Fördervereines der Bibliothek, auf eine digitale Schnitzeljagd, auf der die Teilnehmer Fragen beantworten und Aufgaben erfüllen mussten. Dabei lernten sie via App die Bibliothek und ihre Leistungen besser kennen. Das Projekt erhielt 2014 den Bibliothekspreis der Wirtschaftskammer Sachsen-Anhalt.

 

Mandy Zepig, Bürgermeisterin von Gardelegen (© Mandy Zepig)
„Diese Auszeichnung hat verdeutlicht, wie wichtig Weiterentwicklung auch im Bibliothekswesen ist und dass dies auch und gerade im ländlichen Raum passiert. Wir sind stolz, dass wir in der Hansestadt Gardelegen damit den richtigen Weg beschreiten, nämlich den in die Zukunft des Bibliothekswesens. Es wird immer mehr das Erlebnis mit der Vermittlung von wertvollem Wissen verbunden sein.“ 

Mandy Zepig, Bürgermeisterin (SPD) der Hansestadt Gardelegen

Fahrbücherei kommt zu den Mediennutzern – im Landkreis Stendal

Regelmäßig auf Tour geht es im Landkreis Stendal mit der Fahrbücherei. Sie startet von Osterburg (Altmark) aus und macht Station in Städten, kleineren Orten und sogar Ortsteilen und hat dabei rund 7.000 Medien mit an Bord. Neben Büchern und Zeitschriften gehören auch CDs und DVDs zum fahrenden Sortiment. Wer einen gültigen Ausweis der Fahrbücherei besitzt, der kann auch auf eBooks und andere Online-Medien zugreifen.

Im Landkreis Stendal ist die Fahrbücherei unterwegs. (© Kreisfahrbücherei Stendal / Anette Bütow)
„Die Fahrbücherei wird von den Menschen vor Ort sehr geschätzt. Denn vor allem Bürger, die in den Dörfern leben, haben oftmals nicht die Möglichkeit, eine der wenigen ortsfesten Bibliotheken im Landkreis zu besuchen.“

Anette Bütow, Leiterin der Stadt- und Kreisbibliothek Osterburg-Stendal

Den Jahreshöhepunkt bildet hier das Projekt „Literatur und Schule im Landkreis Stendal“, bei dem Erstklässler in die Benutzung der Fahrbücherei eingeführt werden und eine Reihe von Autoren Schüler für das Lesen begeistern möchten.

Bibliotheken – Orte der Begegnung und des Wissens

Die Beispiele zeigen: Die Bedeutung und Ausrichtung von Bibliotheken haben sich im Zuge der Digitalisierung gewandelt. Aufgaben, Strategien und nicht zuletzt das Sortiment wurden angepasst und neu definiert. So stellen Bibliotheken längst nicht mehr nur gedruckte Medien wie Bücher, Fach- und Tageszeitschriften, Datenträger wie CDs, DVDs sowie Online-Datenbanken bereit. In Workshops, Seminaren, Kolloquien und Ausstellungen vermitteln sie inzwischen auch den Umgang mit digitalen Medien und deren Inhalten und bilden somit die Schnittstelle zwischen analoger und digitaler Welt. Bibliotheken haben also großes Potenzial – beispielsweise auch als Ort der Begegnung. Man kann sich hier treffen, um etwa Lesecafés oder Bücherflohmärkte zu besuchen. Außerdem bieten sie Menschen Raum, um sich gegenseitig zu helfen und um neue Techniken zu vermitteln – bei entsprechender Ausstattung zum Beispiel auch den 3-D-Druck. Da Bibliotheken die technische und räumliche Infrastruktur stellen können, sind sie sowohl Vermittler als auch Ermöglicher – und an dieser modernen Entwicklung hätte sicherlich auch Erasmus von Rotterdam seine helle Freude gehabt.

Jetzt bewerben!

Auch in diesem Jahr verleiht der Deutsche Bibliotheksverband e.V. (dbv) den Preis „Bibliothek des Jahres“. Vorschläge können noch bis zum 31. März 2018 eingereicht werden.

Franz-Reinhard Habbel, Schriftsteller und ehemaliger Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB) © Florian Büttner / laif

Nachgefragt!

Wir haben Franz-Reinhard Habbel gefragt: Welchen Beitrag können Bibliotheken heute und künftig zur gesellschaftlichen Teilhabe und zum Wissenstransfer leisten – wie müssen sie dafür aufgestellt sein?

Bibliotheken sind Orte des Wissens und der Begegnung. Für Städte und Gemeinden haben sie eine eminent wichtige Bedeutung. Sie bringen Menschen zusammen, öffnen durch Literatur die Welt, vermitteln Wissen und sind zentrale Bausteine in der Bildung. Bibliotheken sind Schnittstellen zwischen globalem und lokalem Wissen und als physischer Ort auch in der digitalen Welt unverzichtbar. Gleichwohl müssen sich die Raumstrukturen der Gebäude neuen Kommunikationsformen anpassen. Notwendig ist ein kommunikatives Ambiente, das Kreativität fördert.

Wie könnte so ein Umfeld aussehen?

Co-Working Spaces – also gemeinschaftlich genutzte Arbeitsräume – sind als Teil neuer Bibliotheken ebenso denkbar wie Bürgerämter und Räume für 3-D-Druck, Start-ups oder Sprachkurse. Auch die Zivilgesellschaft ist Teil einer neuen Bibliothekslandschaft. Plattformen, wie beispielsweise das digitale Stadtgedächtnis in Coburg, erweitern und demokratisieren nicht zuletzt die Wissensinfrastruktur. Sie fördern die Teilhabe in der Kommune. "Bürger schaffen ihre lokale Bibliothek selber" könnte daher ein Slogan für die Bürgergesellschaft sein. Für die Stadt bedeutet dies, neue Partnerschaften auch mit den Bürgerinnen und Bürgern einzugehen. Bibliotheken sind wichtige Hotspots der offenen Gesellschaft.