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Für eine altersgerechte Kommune

Entwicklung ganzheitlicher Versorgungsstrukturen

Auf dem Weg zur demenzsensiblen Kommune

Aufgrund der demografischen Entwicklung müssen sich Städte und Gemeinden auf altersbedingte erkrankte Bevölkerungsschichten einstellen. Die Stadt Burgwedel zeigt, wie das funktionieren kann – und erhält eine Förderung für ihr Strukturprojekt „Demenzsensible Kommune“.

Demenz ist ein Aspekt des Älterwerdens. Ein neues Alter ist entstanden. Menschen werden älter als früher – sie werden auch anders älter. Demenz ist eine der häufigsten gerontopsychiatrischen Krankheiten im Alter. Die bekannteste Form ist die Alzheimer Erkrankung.

In Deutschland leben zurzeit circa 1,6 Millionen an Demenz erkrankte Menschen, die Tendenz ist steigend. Zwei Drittel der Erkrankten werden von ihren Angehörigen zu Hause gepflegt und betreut. 60 bis 65 Prozent der Erkrankten leiden an Alzheimer, auf Grund der höheren Lebenserwartung sind Frauen zu zwei Dritteln mehr betroffen als Männer.

Die Versorgung der Betroffenen stellt vor dem Hintergrund des demografischen Wandels – Geburtenrückgang, Anstieg der Lebenserwartung und der gesellschaftlichen Veränderungen, veränderte Familien- und Haushaltsstrukturen – eine immer größere Herausforderung dar. Der Bedarf an häuslicher Pflege wird in Zukunft noch steigen.

Die Risikofaktoren, an Demenz zu erkranken, sind noch weitestgehend unerforscht, die Hauptursache ist jedoch das Alter.

Demenz und Kommune

Menschen mit und ohne Demenz treffen tagtäglich an vielen Orten aufeinander – in der Familie, in speziellen Einrichtungen der Pflege und Betreuung, in der Öffentlichkeit. Nicht nur familiär und beruflich Pflegende kommen mit Demenzerkrankten in Berührung, sondern auch Mitarbeitende der Bäckerei an der Ecke, das Personal von Arztpraxen, Polizei oder Feuerwehr. Das Umfeld kommt oftmals schlecht in den Situationen mit Demenzerkrankten zurecht, es herrscht häufig ein lückenhaftes Bild und Wissen über Demenz. Spezialisten aus Pflege und Medizin sollen auf ergänzende Unterstützungsstrukturen hinweisen können.

Ganz gleich wo die Erkrankten leben, sie dürfen als Mitbürger nicht vergessen werden – auch wenn sie vergesslich geworden sind.

Menschen mit Demenz muss der Zugang zur Gesellschaft und zum sozialen Miteinander in der Kommune barrierefrei und sensibel gestaltet werden.

Die Fragen, die sich somit für eine Kommune stellen, sind vielfältig: Wie kann sie sich auf Demenzerkrankte und deren Angehörige einstellen und Unterstützung realisieren? Welche Maßnahmen zur besseren Orientierung bieten sich zum Beispiel im Nahverkehr und in der Infrastruktur an? Wie können Angehörige bei der Pflege und Betreuung unterstützt werden? Wie dicht ist das Netz der medizinischen Versorgung und der ambulanten Versorgungsstrukturen innerhalb der Stadt? Welche Angebote, etwa Sport, Treffpunkte, Tanzveranstaltungen oder Kultur, können die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen und somit der Isolation im Alter vorbeugen und entgegenwirken?

Burgwedel bringt Ideen ein

Im November 2015 wurde in der Gesundheitsregion Region Hannover erstmals eine Steuerungsgruppe ins Leben gerufen, dieser gehört auch Axel Düker, der Bürgermeister Burgwedels, an. Weitere Mitglieder sind: Vertretungen von Krankenhäusern, der ambulanten Pflege und der stationären Pflege, aber auch Mitglieder der Ärztekammer und Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen sowie Selbsthilfegruppen und Vertretungen der Kommunen.

Die daraus entstandene Arbeitsgruppe II „Ganzheitliche Versorgung in Pflege, Medizin und Betreuung am Beispiel Demenz“ erstellte einen Projektantrag, der im Sommer 2017 beim Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung eingereicht wurde. Das Ziel dieser Projektidee beinhaltet die ganzheitliche Versorgung in Pflege, Medizin und Betreuung sowie die Vernetzung aller Akteure am Beispiel Demenz. Dadurch wird eine Unterstützungs- und Begleitungsstruktur gewährleistet sein, die als Leuchtturmfunktion auf andere Kommunen übertragbar ist. Durch den ganzheitlichen Ansatz werden Betroffene in ihren Kompetenzen und ihrer Selbstbestimmung gestärkt und die Angehörigen sowie das gesellschaftliche Umfeld unterstützt.

Hauke Jagau, Regionspräsident der Region Hannover (© Sandra Wille)

Hauke Jagau, Regionspräsident der Region Hannover, freut sich über die Entscheidung des Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, dieses Projekt ausgewählt zu haben.

 „Die Förderung des Projektes durch das Ministerium ist ein wirklich toller Erfolg für uns und alle Beteiligten. Dass das Projekt als eines von 18 eingereichten Konzepten ausgewählt wurde, zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind, indem wir uns frühzeitig um die künftige Gesundheitsversorgung der Bürger Gedanken machen.“

Hauke Jagau, Regionspräsident der Region Hannover

Axel Düker, Bürgermeister der Stadt Burgwedel (© Michael Plümer)

Dazu Bürgermeister Düker in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung:

„Uns ist wichtig, dass wir vorhandene Strukturen nutzen und ausbauen, aber auch neue Projektpartner miteinander vernetzen.“

Axel Düker, Bürgermeister der Stadt Burgwedel

Weiter sollen ein regionales Versorgungsmanagement aufgebaut und klare Strukturen für alle Akteure im Gesundheitswesen und in der Pflege geschaffen werden.

Im November 2017 bekam die Arbeitsgruppe II den positiven Bescheid vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, seit Dezember 2017 befindet sich das Projekt in der Umsetzungsphase. Die Projektlaufzeit beträgt zwei Jahre und wird mit 100.000 Euro vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung gefördert.

Mehr zum Pilotprojekt in Burgwedel

Mehr und mehr Kommunen reagieren mit guten Beispielen

Auch andere Kommunen stellen sich auf die besonderen Bedürfnisse einer älterwerdenden Gesellschaft ein und berücksichtigen den demografischen Wandel. Sie sehen darin einen wichtigen Beitrag für ein lebenswertes, bedarfsentsprechendes Umfeld in der Kommune.

Demenz ist nicht das einzige Thema, sondern auch Fragen und Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität für ältere Menschen treten in den Vordergrund. So hat zum Beispiel die Gemeinde Werther bei Halle in Westfalen die Initiative „Netzwerk älter in Werther“ gegründet. Hier geht es etwa um altersgerechte und bezahlbare Wohnungen, die Gestaltung von Gehwegen sowie die Anzahl von Bänken und um den Zugang zu den Toiletten im öffentlichen Raum.