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Angela Schoop vom Kunstverein Lüneburg

Für eine gute Idee bin ich immer offen

Vernetzt in Lüneburg – Porträt Angela Schoop
Wenn sie die Tür aufmacht, steht Angela Schoop bereits mitten in der Ausstellung. Die Leiterin des Kunstvereins Lüneburg freut sich, dass sich durch den Umzug in die Lüner Straße viele neue Möglichkeiten ergeben haben. Foto: Hans-Jürgen Wege

Ihre  Kunst- und Kulturprojekte sind in der Region bekannt: Ob es um Stadtentwicklung und Architektur geht, um einen Baum aus der Göhrde, einer Lüneburger Lichtzeitreise oder um zeitgenössische Kunst – Ausstellungen sind ihre Leidenschaft. Seit 2012 ist Angela Schoop Vorsitzende des Kunstvereins Lüneburg. Die Empfehlungen für dieses Amt kamen von vielen Seiten. Seitdem hat sich einiges im Kunstverein getan. Wie ein kleiner Raum während der Pandemie Großes bewirken konnte und wie der Kunstverein nun besser im Stadtraum präsent ist, verrät sie uns im Interview.

 

Bitte beschreiben Sie sich selbst mit drei Worten!

Begeisterungsfähig, humorvoll und offen.
 

Seit vielen Jahren nehmen Sie künstlerische Projekte in der Region in die Hand. Welches ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Da gibt es natürlich viele – und sehr unterschiedliche. Eines davon ist sicherlich „Ein Baum aus der Göhrde“. Die Initiatoren wollten anfangs nur einen kleinen Katalog herausgeben und hatten auch nur ein kleines Budget. Nachdem ich die Idee allerdings näher kennengelernt hatte, war ich total begeistert und so wuchs das Ganze über mehrere Jahre zu einem unglaublichen Projekt in Form einer Wanderausstellung mit einem sehr schönen Katalog. Die Krönung des Projekts war die Ausstellung auf der internationalen Holzmesse LIGNA - mit unserem kleinen Kuppelzelt zwischen all diesen gigantischen Maschinen. Da bekomme ich jetzt noch Gänsehaut!
 

Neben Ihrer Arbeit als Grafikerin und künstlerische Beraterin, sind Sie Leiterin des Kunstvereins Lüneburg. Was reizt Sie besonders an diesem Ehrenamt?

Die Gestaltung eines ambitionierten künstlerischen Programms und die Zusammenarbeit mit den KünstlerInnen machen mir großen Spaß. Es ist wirklich interessant. Ich lerne immer wieder dazu und bin in einem breiten Arbeitsfeld gefordert. Ich werde von einem wunderbaren Team im Vorstand unterstützt und viele Mitglieder engagieren sich aktiv in den verschiedensten Bereichen.

 

Welche Projekte des Kunstvereins haben Sie in der Vergangenheit begeistert?

Ein Projekt, das in Erinnerung geblieben ist, ist die Kooperation mit dem Museum Lüneburg bzw. dem naturwissenschaftlichen Verein. Dabei hat der Lichtkünstler Francesco Mariotti Führungen zu Glühwürmchen-Vorkommen angeboten – und diese gibt es bis heute! Gerade da bin ich ein bisschen stolz, wenn man mit anderen Vereinen kooperiert und dabei über die Kunst viele Menschen erreicht. Auch die Foto-Ausstellung von Anna Tiessen „Kommando Korn“, bei der wir mit der Landjugend zusammengearbeitet haben, hat begeistert und brachte interessante neue Verbindungen. Die Ausstellung „trunk“ im ehemaligen Supermarkt an der Lindenstraße war ebenfalls sehr erfolgreich und hat mich und andere sehr inspiriert.

 

Welche Herausforderungen brachte der Kunstverein bisher für Sie mit sich?

Der Höhepunkt war der Umzug Anfang 2020. Der Kunstverein hatte seine Räume viele Jahre im Heinrich-Heine-Haus. Das Haus steht unter Denkmalschutz, darum sind viele Dinge dort nicht möglich. Es hat mich viel Energie gekostet, dort so eingeschränkt gute Ausstellungen zu konzipieren. Dann ergab sich der Tausch mit den neuen Räumen in der Lüner Straße. Kurz nach dem Umzug freuten wir uns über die erste Ausstellungseröffnung und dann begann am nächsten Tag der Lockdown.

 

Wie haben Sie mit dem Kunstverein die vergangenen Monate erlebt?

Es ist ein großes Glück, dass wir in den neuen Räumlichkeiten dieses große Schaufenster haben, denn so waren wir mit den Ausstellungen auch während des Lockdowns im Stadtraum präsent. In der zweiten Etage des Heinrich-Heine-Hauses – dort fanden unsere Veranstaltungen statt -  wäre das nicht möglich gewesen. Viele Ausstellungen wurden seinerzeit abgesagt, aber wir konnten unser Programm immerhin zeigen. Dass es keine Vernissagen geben konnte, keine Kontakte und keine Öffnungszeiten – das war trotzdem bitter.

 

Der neue Raum ist viel kleiner. Mussten Sie sich sehr einschränken?

Der Raum ist klein, allerdings auch sehr hoch! Aber im Verhältnis zur Stadt, zum Kunstverein und zum Publikum hat er genau die richtige Größe – und die perfekten Proportionen. Es ist sehr viel schwerer, eine Ausstellung in einem kleinen Raum zu gestalten – da muss die Auswahl der Arbeiten gut überlegt werden. Eine schöne Herausforderung!

 

Wie würden Sie die Lüneburger Kunstszene beschreiben?

Wir sind mit dem Kunstverein in guter Gesellschaft und Nachbarschaft mit der halle für kunst. Zwei Kunstvereine mit unterschiedlichen Ausrichtungen und Programmen in Lüneburg sind perfekt. Und es gibt natürlich noch viele Künstlervereinigungen, Ateliergemeinschaften, Ausstellungsorte und Galerien in der Stadt, so dass für jeden Geschmack etwas dabei ist.

 

Wie können Kunstvereine mehr junge Menschen erreichen?

Junge Leute erreicht man am Besten über die sozialen Netzwerke. Das Wort „Verein“ beinhaltet ja schon gedanklich sperrige und abschreckende Begriffe wie „Jahreshauptversammlung“ oder „Kassenprüfung“. Ich glaube, man muss daran arbeiten, dieses Bild aufzulösen und deutlich zu machen, dass es ohne eine Vereinsstruktur nicht geht. Es kommt ja darauf an, was man daraus macht. Wir bieten die Möglichkeit, interessante KünstlerInnen kennenzulernen oder gemeinsam Programmideen zu entwickeln. Das ganze Arbeitsfeld ist vielschichtig und abwechslungsreich: neben Ausstellungsauf- und Abbau, KünstlerInnenbetreuung, Öffentlichkeitsarbeit und der Organisation von Begleitveranstaltungen gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, sich zu engagieren.

 

Muss man Künstler sein, um im Kunstverein Mitglied zu werden?

Nein, wir sind keine Künstlervereinigung und kein Berufsverband. Als Kunstverein vermitteln wir zeitgenössische Kunst und fördern KünstlerInnen, organisieren Ausflüge in Ateliers oder besuchen gemeinsam Ausstellungen. Für einen moderaten Jahresbeitrag ab 48 Euro (24 Euro für Studierende) kann man unsere Arbeit unterstützen, als Fördermitglied ab einem Jahresbeitrag von 500 EUR.

 

Bei Kunst haben Besucher oft Berührungsängste. Wie beobachten Sie das hier im Kunstverein?

Das ist hier schon eine Herausforderung: man macht die Tür auf und steht quasi in der Ausstellung, denn es gibt nur noch ein kleines Hinterzimmer. Man ist also direkt mit den ausgestellten Arbeiten der KünstlerInnen konfrontiert. Die BesucherInnen haben manchmal Hemmungen, hereinzukommen, wenn niemand im Raum zu sehen ist. Wenn allerdings erst einmal ein paar Besucherinnen da sind, werden sie neugierig, kommen herein und sprechen uns an.

 

Die Gretchen-Frage: Was ist Kunst?

Diese Frage würde ich gern Joseph Beuys beantworten lassen: Jeder freie Mensch ist kreativ. Da Kreativität einen Künstler ausmacht, folgt: nur wer Künstler ist, ist Mensch. Jeder Mensch ist ein Künstler. 

 

Wo tanken Sie in Lüneburg neue Energie?

In der Stadt in unserem Wasserviertel und zuhause in meinem Garten, im Wald oder auf dem Fahrrad.

 

Und was ist für Sie der perfekte Ort in Lüneburg, um sich zu vernetzen?

Natürlich der Kunstverein.

 

Wie trinken Sie Ihr LüneWasser am liebsten?

Eigentlich pur aus der Leitung. Als besondere Erfrischung mit Minze, Zitrone oder einem Stückchen Ingwer.

 

Und was wünschen Sie sich für die Zukunft in Lüneburg?

Die Zeit der Pandemie und des Lockdowns ohne Kunst, Musik, Literatur, Theater hat uns gezeigt, wie lebenswichtig und unersetzlich Kunst und Kultur sind. Ich wünsche mir, dass die Stadt sich weiterhin für die Förderung von Kunst und Kultur stark macht.

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