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Christian von Stern vom Medienhaus Lüneburg

"Wer in Lüneburg lebt, kann sich glücklich schätzen"

Vernetzt in Lüneburg – Porträt Christian von Stern vom Medienhaus Lüneburg
Christian von Stern führt das Familienunternehmen in der 14. Generation.

Christian von Stern führt nicht nur die 400-jährige Familientradition der Druckkunst fort, er hat als Medienhaus-Geschäftsführer auch die digitalisierte Übermittlung von Nachrichten in Lüneburg im Blick. Das Onlineangebot seines Verlags liegt ihm sehr am Herzen, aber „unplugged“ funktioniert für den leidenschaftlichen Hobbymusiker ebenso gut. Vielseitig ist Christian von Stern – im Job und im Privatleben.

 

Bitte beschreiben Sie sich selbst mit drei Worten!

Verpeilt, verspielt, verlässlich.

 

Ihre Lieblingsschlagzeile über Lüneburg in den letzten Jahren?

Als Medienmensch und Zeitungsquerleser huschen die Schlagzeilen ja nur so an mir vorbei. Ich mag aber grundsätzlich jede Headline, hinter der sich eine hoffnungsvolle, positive Geschichte verbirgt und das auch pointiert zum Ausdruck bringt. Etwas Konkretes kommt mir aber doch noch in den Sinn. Da hieß es: „Weißes Gold und schwarze Kunst“. Im Zusammenhang mit der Übergabe eines Bibel-Konvoluts an die Stadt Lüneburg wurde beschrieben, dass nicht nur das Salz, sondern auch der Buchdruck die Stadt geprägt hat, wenn auch in bescheidenerem Maße. Und diese Überschrift bringt es knackig auf den Punkt.

 

Mit Avacon auf Zeitreise. Wenn Sie Ihre Karriere noch einmal neu starten könnten – dann in einem Traditionsunternehmen oder in einem Start-up?

Nachdem ich mich nun Jahrzehnte ausgiebig mit Traditionsthemen auseinandersetzen durfte, hätte so eine Neugründung aus dem Nichts doch etwas sehr Reizvolles, aber dann bitte mit einer Prise „Rock ´n´ Roll“.

 

Corona fordert uns alle heraus. Wie bewerten Sie die Rolle der Medien in dieser Zeit? Was kann die Lüneburger Landeszeitung leisten?

Pressemedien müssen in dieser Zeit umfangreich und seriös informieren, dabei immer im Blick haben, die Menschen in jeglicher Hinsicht abzuholen, sie zu begleiten, ihnen aber auch Zuversicht vermitteln. Des Weiteren ist es an uns, die komplexen und kontroversen Debatten, die z. B.  besonders emotional in den sozialen Netzwerken geführt werden, für unsere Leserinnen und Leser einzuordnen, Fakten von Meinungen trennen. Als Zeitung hier in Lüneburg und der Region können wir exklusiv das globale Geschehen auf die lokalen Lebensverhältnisse und Begebenheiten herunterbrechen. Das ist ohnehin unsere Mission, aber in dieser Zeit ganz besonders. 

 

Woher nehmen Sie in der Corona-Krise Ihre Energie?

Frische Luft, Bewegung und unbedingt Musik – auch wenn Musiker aktuell zu Alleinunterhaltern verdammt sind. Aber dennoch spielen wir uns Audio-Dateien zu, muntern uns auf und freuen uns, irgendwann wieder richtig loszurocken. Energie gibt mir auch meine Familie oder Menschen, denen ich begegne. Begegnungen nimmt man wieder bewusster und intensiver wahr, weil sie seltener geworden sind. Außerdem darf ich mich im Gegensatz zu vielen anderen privilegiert fühlen. Die Arbeit läuft, jeden Tag erscheint weiterhin die Zeitung. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ziehen dabei unglaublich gut mit. Schließlich wohne ich auf dem Lande, da können wir unser Leben fast unverändert weiterführen, zum Beispiel mit unseren vier Dackeln spazieren gehen – jeden Morgen ein wichtiges Ritual.

 

Wem würden Sie am liebsten den Strom für 24 Stunden abdrehen?

Das wäre für uns alle einmal ganz gut, da einfach viele Dinge selbstverständlich sind: Der Wasserkocher sprudelt, die Herdplatte glüht usw. Mir selbst würde ich es sogar auch wünschen. Und „unplugged“ geht schließlich auch ohne Strom. Konsequenterweise müssten dann zeitgleich auch alle Akkus leer sein.

 

Was ist Ihr Lieblingsort in Lüneburg, um neue Energie zu tanken?

In Restaurants und Kulturstätten – ich bin eben ein Sinnes- und Genussmensch. Oder auch der Kalkberg, der vom Zentrum fußläufig super zu erreichen ist.

 

Und der perfekte Ort, um sich zu vernetzen?

Ich vernetze mich gerne überall da, wo Musik gespielt wird. Dann ist es immer ganz egal, wo du bist oder woher du kommst. Auf jeden Fall triffst du auf spannende Menschen mit spannenden Biographien.

 

Wie unterstützen Sie Musik und Kultur in Zeiten von Corona?

Ich bin mit vielen Musikern befreundet und deren jetzige Umstände beschämen mich. Es fehlt zwar die Unterstützung, aber dennoch schnappen sich viele einfach ihre Instrumente, um in Altenheimen oder in der Stadt umsonst zu spielen. Das berührt mich sehr. Wir versuchen, mit medialer Präsenz, wo immer es geht, zu helfen.

 

Unser LüneWasser hat eine spitzenmäßige Qualität. Wie pimpen Sie dieses am liebsten zum Trinken auf?

Am liebsten mit schwarz-braunen Bohnen einer Lüneburger Kaffeerösterei. Oder auch gerne pur aus der Karaffe.

 

Wie setzen Sie sich beruflich für den Klimaschutz ein?

Da ist definitiv noch Luft nach oben. Gerade in auch gerne mal hitzigen und leidenschaftlichen Diskussionen mit den jüngeren Generationen merke ich, dass sich meine Altersklasse da nicht aus der Verantwortung stehlen darf.  Also deklinieren wir Möglichkeiten regenerativer Stromerzeugung für die Druckerei, wo übrigens auf einer Freifläche Wildblumen und –kräuter wachsen, auf denen fleißige Bienen eines befreundeten Imkers summen. Den Honig verschenken wir am Ende des Jahres an Geschäftsfreunde. Des Weiteren planen wir mit dem Heidlöper, unserem Logistikpartner, ein Szenario für eine emissionsfreie Zustellung in der Innenstadt. Sauber, leise und effizient.

 

Wie sorgen Sie für positive Energie zwischen Ihnen und Ihren Mitarbeitern?

Freundlichkeit, Respekt und Anerkennung. Augenhöhe. Zuhören. Fähigkeit zum Dialog und zum konstruktiven Streit.

 

Was wünschen Sie sich für das Lüneburg der Zukunft?

Lüneburg hat unglaublich viel zu bieten. Wer hier lebt, kann sich glücklich schätzen. Die Stadt ist geprägt von einer bunten und engagierten Bürgergesellschaft. Möge das bitte so bleiben, dann mache ich mir um die Zukunft der Stadt keine Gedanken.

 

Älteste Druckerei der Welt, die sich im Familienbesitz befindet? Mögen Sie Superlative?

Dieser Superlativ ist für mich nur am Rande relevant. Spannend ist es aber zu ergründen, wie die vorherigen Generationen immer wieder den Kopf aus der Schlinge gezogen haben, denn deren Weg war mitunter durchaus steinig. Wenn man allein bedenkt, dass während der ersten Jahrzehnte nach Gründung auch mal eben der 30-jährige Krieg wütete. Ansonsten aber finde ich die gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen spannender. Denn nur wenn wir die in den Griff kriegen, können wir der Geschichte ein weiteres Kapitel anhängen. Vielleicht gehen wir ja mit einem kleinen Start-up in die nächste Generation?

 

Was sind die Top-Themen für Lüneburg 2021 aus Ihrer Sicht?

Da gibt es für mich zuallererst nur ein (nationales) Thema: Freiheit, weil wir endlich die Pandemie im Griff haben! Und ganz nebenbei wird in unserer Stadt dann auch noch eine neue Oberbürgermeisterin oder ein neuer Oberbürgermeister gewählt.

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