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Jedes Bienenvolk ist anders

Vernetzt in Lüneburg – Porträt  Dennis Volland
Mehr Bienen für Lüneburg. Mit seinem Projekt "Farmin the Nature" setzt sich Imker Dennis Volland für Artenvielfalt ein. Foto: Thomas Ix

Imker Dennis Volland will mit seinem Projekt „Farming the Nature“ die freistehenden Grünflächen Lüneburgs erobern, um Insekten ein neues Zuhause zu geben. Auch uns hat er dabei unterstützt, zwei Bienenvölker auf dem Avacon Betriebsgelände anzusiedeln. Der Umweltwissenschaftler setzt sich für die Artenvielfalt ein – nicht nur als Imker, sondern auch als ehrenamtlicher Umweltbeauftragter der Gemeinde Adendorf. Wie sich jeder einzelne von uns für dafür stark machen kann, verrät er hier.

 

Bitte beschreibe Sie sich selbst mit drei Worten!

Suchend, tierlieb und humorvoll.

 

Wie hat alles begonne? Seit wann sind Sie Imker?

Ich habe als kleiner Junge viel mit meiner Oma über das Thema geredet. Mein Großonkel war selbst Imker und davon hat sie mir berichtet. Bienen haben mich schon immer interessiert und ich habe natürlich regelmäßig „Biene Maja“ geschaut. Aber erst viele Jahre später, 2016, hat mich ein Freund gefragt, ob ich nicht Lust hätte, an einem Kurs des Kreisimkervereins teilzunehmen. Ich habe schnell „Ja“ gesagt und seither ist viel passiert. Zunächst war ich fünf Jahre Jungimker und habe mir viel Praxiswissen angeeignet. Die wohl wichtigste Erkenntnis: Jedes Bienenvolk ist anders. Manche sind entspannt, andere eher aggressiv – das ist natürlich auch abhängig davon, wie man ihnen begegnet. Wenn ich selbst nicht gut drauf bin, überträgt sich das auf die Bienen.

 

Wie ist die Zusammenarbeit mit Avacon Lüneburg entstanden?

Ich bin in Lüneburg auf der Suche nach Partnern für „Farming the Nature“ und dabei habe ich entdeckt, dass Avacon eine passende Freifläche für meine Bienenstöcke hat. Ich habe das Unternehmen angesprochen und daraufhin hat sich der Kommunalmanager Hendrik Paul schnell bei mir zurückgemeldet. Die Bienen sind dann am Weltbienentag am 20. Mai eingezogen.

 

Welche Idee verbirgt sich hinter "Farming the Nature"?

Gemeinsam mit meinen Partnern gebe ich Bienenvölkern ein neues Zuhause. Ich unterstütze dabei, einen Bienenstand aufzubauen, um das Insektenleben sichtbar zu machen. So können sich die Menschen direkt am Artenschutz beteiligen und erhalten sogar Honig dafür. Wenn man mich in der Stadt bei meinen Bienen sieht, sprechen mich viele Leute auf meine Arbeit an und reagieren sehr positiv. Daher sehe ich die Biene als eine Art  Botschafterin.

 

Ist Imker ein Vollzeit-Job oder ein Hobby?

Ich bin Nebenerwerbsimker – außerdem gibt es Berufsimker und Hobbyimker. Aber in der Regel ist man mit eigenen Bienenvölkern immer Vollzeit beschäftigt.

 

Wie kann man das Imkern erlernen?

Ich empfehle, einen Kurs zu belegen, bei dem man das ganze Bienenjahr einmal erlebt. Im Anschluss sollte man sich mit einem Imkerpaten vernetzen. Am Anfang ist es unglaublich hilfreich, erfahrenen Kollegen Fragen stellen zu können – eben weil jedes Bienenvolk anders ist. Ich rate dazu, drei Bienenvölker zu haben, da es immer passieren kann, dass eines wegen Krankheit oder falscher Behandlung eingeht.

 

Wieviel Zeit muss man investieren, wenn man sich für einen eigenen Bienenstand entscheidet?

Imkern ist kein Hobby für nebenbei. Gerade in den Monaten Mai und Juni ist die Imkerei sehr zeitintensiv – wenn die Bienen Nektar sammeln, Honig eintreiben und die Schwarmzeit beginnt. Aber mit meinem Projekt „Farming the Nature“ biete ich allen Unterstützung an, die sich dafür interessieren, aber vielleicht nicht genügend Zeit aufbringen können.

 

Erstaunliche Fakten über Bienen. Was wissen Ihrer Meinung nach die wenigsten?

Es gibt es einiges, das nicht allgemein bekannt ist. Mich überrascht immer wieder, dass es viele Menschen gibt, die Bienen nicht von Wespen unterscheiden können. Bienen haben einen kleinen Pelz und die Wespe hat einen deutlichen gelb-schwarzen Streifen. Zudem nehmen viele nicht wahr, dass immer weniger Bienen unterwegs sind. Vor allem Wildbienen und viele andere Insekten sind nach wie vor stark bedroht und haben keinen Imker, der ihnen hilft. Auch die immer heißer werdenden Sommer sind vor allem für die Larven gefährlich. Die Bienen müssen den Bienenstock daher sozusagen „klimatisieren“.

 

Was kann man für eine bienenfreundliche Umwelt tun?

Wir brauchen mehr naturbelassene Flächen, daher sollten wir weniger versiegeln und auch darüber nachdenken, ob ein immergrüner Rasen wirklich sinnvoll ist. Privat kann man in seinem Garten mit Blumen und Kräutern viele Nahrungsangebote und Unterschlupf für Bienen und Insekten schaffen.

 

Was kann man für eine bienenfreundliche Umwelt tun?

Wir brauchen mehr naturbelassene Flächen, daher sollten wir weniger versiegeln und auch darüber nachdenken, ob ein immergrüner Rasen wirklich sinnvoll ist. Privat kann man in seinem Garten mit Blumen und Kräutern viele Nahrungsangebote und Unterschlupf für Bienen und Insekten schaffen. Weniger Monokulturen und mehr Vielfalt sind für den Artenschutz wichtig.


Hand auf’s Imkerherz: Wurden Sie schon einmal gestochen?

In meinem ersten Imkerjahr wurde ich tatsächlich elfmal gestochen. Mittlerweile kommt das aber sehr selten vor. Meist wenn ich unachtsam bin und versehentlich an eine falsche Stelle greife.

 

Frisches Brot mit Honig oder lieber heiße Milch? Wie konsumieren Sie Honig am liebsten?

Wenn ich erkältet bin: heiße Milch mit Honig. Wenn mir kalt ist: Whisky mit Honig. Ansonsten ist Honig auch ideal für eine Grillmarinade.

 

Sie sind außerdem ehrenamtlicher kommunaler Umweltbeauftragter. Was sind Ihre Aufgaben in dieser Rolle?

Ich bin beratendes Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Ortsentwicklung und Bauen der Gemeinde Adendorf und initiiere neue Projekte. Dazu gehört auch die Initiative „Adendorf blüht“,  für die wir 2019 sogar von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung ausgezeichnet worden sind. Wir verteilen Saatgut, legen Blumenwiesen an und fördern somit die Artenvielfalt.

 

Was ist Ihr Lieblingsort in Lüneburg, um neue Energie zu tanken?

Überall dort, wo ich Ruhe finde. Das ist meist bei meinen Bienenstöcken – zum Beispiel im Kurpark. Energie tanke ich außerdem, wenn ich durch den Wald laufe oder am Elbe-Seitenkanal unterwegs bin.

Und der perfekte Ort, um sich zu vernetzen?

Es ist kein Ort, sondern mein Projekt „Farming the Nature“, das ich in diesem Jahr gestartet habe und das mich mit vielen Menschen in Kontakt bringt.

 

Woher nehmen Sie in der Corona-Krise Ihre Energie?

Ich habe die Zeit bislang als sehr schön empfunden, da ich aus meinem Hamsterrad herausgekommen bin. Die Kurzarbeit einfach als Sabbatjahr betrachten. Ich habe die Ruhe gefunden, einige Dinge zu hinterfragen. Es hat mir unter anderem geholfen, mein Projekt „Farming the Nature“ auf den Weg zu bringen.

 

Wem würden Sie am liebsten den Strom für 24 Stunden abdrehen?

Meiner Frau. Damit sie sich ohne Handy und Laptop ein wenig entspannen kann.

 

Das Lüneburger Leitungswasser hat eine spitzenmäßige Qualität. Wie pimpen Sie dieses am liebsten zum Trinken auf?

Gerne mit einem Schuss Apfelsaft. Pur ist aber auch gut.

 

Was wünschen Sie sich für das Lüneburg der Zukunft?

Mehr grüne Flächen und weniger Autoverkehr!