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Im Interview: Johannes Tomczak von Viva con Agua

Wasser ist die Grundlage für menschenwürdiges Leben

Vernetzt in Lüneburg – Porträt  Johannes Tomczak
Der Wahllüneburger Johannes Tomczak leitet bei der gemeinnützigen Organisation Viva con Agua das Marketing & Fundraising. Foto: Micha Gab

Johannes Tomczak leitet bei der gemeinnützigen Organisation Viva con Agua das Marketing & Fundraising. Sein Ziel und das seiner Kollegen: für alle Menschen weltweit Zugang zu sauberem Trinkwasser zu schaffen. Auch wenn der Wahllüneburger von Natur aus bereits einen hohen Energielevel hat, wünscht er sich dennoch mehr positive Kommunkation in seinem Job. Privat fährt der Familienvater mit dem Lastenrad durch die Stadt und trinkt ausschließlich Leitungswasser.

Johannes, Bitte beschreibe Dich sich selbst mit drei Worten!

Positiv, analytisch und ruhig.
 

Wie bist Du zu Deinem Job bei Viva con Agua gekommen?

Meine ersten Berührungspunkte mit Viva con Agua hatte ich im Studium in Kiel. Dort habe ich ehrenamtlich engagierte Menschen kennen gelernt und war sehr beeindruckt von ihrem Einsatz. Außerdem waren sie immer im Kontext von Partys und Konzerten unterwegs – das passte ganz gut in meine Studienzeit. Dann habe ich spontan ein PR-Praktikum bei der Millerntor Gallery gemacht (ein Projekt von Viva con Agua Arts und dem FC Sankt Pauli) und durfte das erste Mal für und mit Viva con Agua arbeiten. Danach habe ich dann erst einmal einen klassischen Agenturjob in Hamburg eingeschoben, bis vor rund 6 Jahren die Chance kam, meine 60-Stunden-Agentur-Woche gegen einen Vollzeit-Job in der Gemeinnützigkeit bei Viva con Agua zu tauschen. Diesen Schritt habe ich nie bereut.

 

Kannst Du Eure Vision mit wenigen Worten beschreiben?

Alle für Wasser, Wasser für alle. Das Ziel dahinter ist, für alle Menschen weltweit Zugang zu sauberem Trinkwasser, sanitärer Versorgung und Hygiene zu realisieren – weil so menschenwürdiges Leben erst möglich ist. Das treibt uns an. Gemeinsam mit vielen Menschen sind wir auf einem sehr guten Weg. Und das Tolle an unserer Vision ist, sie ist realistisch. Wir haben eine gute Chance, eben das zu erreichen: den Zugang zu sauberem Trinkwasser.

 

Welche Rolle haben die Themen Umweltschutz/Wasserschutz vor Deinem Einstieg bei Viva con Agua in Deinem Leben gespielt?

Ich bin durch meine Eltern schon relativ früh nachhaltig und politisch sozialisiert worden. Nachhaltigkeit hat daher immer eine Rolle gespielt: bewusstes, regionales Einkaufen, ressourcenschonend mit Dingen umgehen, Lastenrad statt Auto fahren. Wasserschutz war dabei aber ehrlicherweise eher eine Randerscheinung. Ich habe zwar einen Campingbus und fahre total gerne ans Meer, aber Wasserschutz war nie ein großes Thema. Das hat sich mit dem Wechsel zu Viva con Agua geändert. Heute ist mir die Bedeutung von sauberem Trinkwasser total bewusst und ich genieß das Privileg, den Hahn aufzudrehen und Leitungswasser trinken zu können – gerade dann, wenn man weiß, wie die Situation anderswo ist. Ich bin, seit ich für Viva con Agua arbeite, tatsächlich zum konsequenten Leitungswassertrinken übergegangen. Im Büro ist es Standard. Ich weiß gar nicht, wann ich mir das letzte Mal eine Flasche Wasser gekauft habe. Leitungswasser ist eben ökologisch die bessere Variante.

 

Haben sich durch Corona Eure Aktivitäten/Schwerpunkte verschoben?

Wir haben im Laufe der Pandemie Budgets verschoben. Das heißt, wir haben ganz viele Baumaßnahmen für Handwash-Facilities vorgezogen, die eigentlich erst für das nächste Jahr geplant waren. Außerdem haben wir z.B. Hygiene-Kits in Uganda und in Indien verteilt. Das war im Rahmen unserer Möglichkeiten der Beitrag, den wir leisten konnten, um die Gesundheitssysteme vor Ort zu entlasten. Schulschließungen bedeuten für uns immer auch, keine Workshops durchführen zu können. Wir müssen Projekte dann anders aufsetzen und sind direkt in die Communities gegangen. Zudem haben wir natürlich auch eine Fürsorgepflicht für die Menschen, die vor Ort Workshops geben. Auf Abstand achten und Masken vorhalten – das waren große Herausforderungen, die wir aber gut gemeistert haben.

 

Woher nimmst Du in der Corona-Krise Deine Energie?

Durch Kinder, Hund, Garten und einen Job, der Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser und so zu einem besseren Leben ermöglicht, ist mein Energielevel immer relativ hoch

 

Hast Du ein Lieblingsprojekt?

Ich habe eigentlich zwei. Auf der technischen Seite faszinieren mich die Cloud Fisher in Tansania ungemein: Nebelfangnetze, die über Nacht Nebel aus den Wolken fischen und so eine ganze Schule mit sauberem Wasser versorgen. Das ist super innovativ und total spannend. Persönlich habe ich eine sehr besondere Beziehung zu unseren Projekten in Nepal, weil ich bereits vor Ort auf Projektreise war. Es ist ein unglaublich schönes Land. Es gibt wahnsinnig herzliche und kreative Menschen, die unter sehr schwierigen infrastrukturellen Bedingungen leben, aber das, was sie haben, unglaublich wertschätzen. Das hat mich schwer beeindruckt. Ich wollte letztes Jahr wieder nach Nepal reisen, aber dann kam die Pandemie. Mal gucken, wann wir das nachholen können.

 

Gibt es eine „Einzelaktion“, die Dich besonders beeindruckt hat?


Es gab schon so viele tolle Aktionen und trotzdem bin ich jedes Mal wieder beeindruckt, wenn eine unserer Crews etwas Neues erfindet. Großartig sind beispielsweise das Tischtennisrundlauf-Turnier „Movimiento“ der Kölner Crew , das vor der Pandemie unglaublich viele Zuschauer hatte und wahnsinnig viel Spaß macht. Ähnliches gilt für das Floßrennen auf der Spree von der Crew in Cottbus. Außerdem gibt es immer wieder Aktionen, die wirklich viel Impact auf die gesamte Organisation haben. Die Pfandbecherspende, die inzwischen zum Klassiker der Festivallandschaft in Deutschland gehört, wurde zum Beispiel hier in Lüneburg auf dem Lunatic Festival erfunden. Damals haben sich die Veranstalter Gedanken gemacht, wie sie Viva con Agua unterstützen können und am Ende haben die ersten gespendeten Pfandbecher in Lüneburg unsere gesamte Organisation nachhaltig positiv verändert.

 

Welche Themen liegen Dir persönlich besonders am Herzen?

Über den Tellerrand gucken und Entwicklungszusammenarbeit im Ganzen fördern. Dabei ist mir positive Kommunikation wichtig. Es gibt noch immer viel Mitleids- und Elendskommunikation in diesem Bereich und am Ende ist das ein Grund dafür, dass wir uns global nie auf Augenhöhe begegnen. Mit unserer positiven Kommunikation und viel kulturellem Austausch lässt sich zu allen Menschen eine andere Art von Verbindung herstellen. Da sind wir auf einem guten Weg und dennoch brauchen auch wir noch mehr Sensibilität für Rassismus, Stereotypen und Diversität.

 

Was zeichnet die Crew von Viva con Agua in Lüneburg aus?

Die Lüneburger haben es als eine der ersten Crews geschafft, in der Pandemie digitale Aktionen auf die Beine zu stellen. Sie haben dafür tolle Ideen für Veranstaltungen und Workshops entwickelt und sind ein Vorbild für Crews in anderen Städten.

 

Was ist Dein Lieblingsort in Lüneburg, um neue Energie zu tanken?

Ich habe tatsächlich zwei. Für ein kurzes Auftanken reicht mir eine Runde mit dem Hund durch den wilden Teil vom Kurpark. So richtig Auftanken funktioniert am besten auf einer Tour mit dem Lastenrad und den Kindern durch den Wilschenbruch.

 

Und der perfekte Ort, um sich zu vernetzen?

Ich habe Lüneburg fast nur in Pandemie-Zeiten kennen gelernt, aber wenn mir die Decke auf den Kopf fällt, arbeite ich gerne im „Freiraum“ – das ist ein Co-Working-Space über dem Salon Hansen – und da trifft man immer spannende Menschen.

 

Was wünschen Sie sich für das Lüneburg der Zukunft?

Bessere Fahrradwege und passend dazu weniger Autos.

 

Du darfst einen Appell an unsere Leser richten. Dieser lautet: …

Mein Wunsch zum Thema Wasser an die Menschen ist generell, über den Tellerrand zu schauen. Wasser ist nicht alltäglich normal, sondern die wichtigste Ressource auf unserem Planeten. Wenn wir diese nicht gut schützen, vor allem, wenn wir nicht allen Menschen den Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglichen, dann machen wir etwas falsch. Deswegen appelliere ich für mehr Aufmerksamkeit für das Thema Wasser. Schließlich ist Wasser die Grundlage für ein menschenwürdiges Leben und jede und jeder von uns kann ressourcenschonend mit Wasser umgehen. In Deutschland führt Wassersparen übrigens automatisch dazu, Energie zu sparen und das wiederum wirkt sich positiv auf den Klimawandel aus.

 

Was hat sauberes Trinkwasser mit Schulbildung zu tun?

Sauberes Trinkwasser ist immer die Grundlage für alles andere – auch für Bildung. Wenn Wasserholen die Haupttagesaufgabe ist, dann habe ich keine Zeit in die Schule zu gehen. Da Wasserholen in bestimmten Regionen und Gebieten zudem in der Regel die Aufgabe der Frauen und Mädchen ist, gehen ganz oft die Mädchen früh nicht mehr zur Schule. Zusätzlich führen fehlende Sanitäranlagen an Schulen dazu, dass Mädchen mit Beginn ihrer Periode nicht mehr in die Schule gehen, weil es keine Möglichkeit gibt, sich zu waschen. Sauberes Trinkwasser vor Ort, gerade in den ländlichen Gemeinden, ist daher die Voraussetzung dafür, dass die Kids zur Schule gehen können und nur mehr Bildung führt langfristig zu besseren Lebensumständen. Außerdem ist es für unsere Arbeit enorm wichtig, die Kids in den Schulen zu erreichen: Hier können Workshops die Kinder für bestimmte Hygienemaßnahmen sensibilisieren und dieses Wissen tragen die Kinder wiederum zu ihren Eltern. Am Ende ist das der größte Lerneffekt, den es gibt. Die Eltern mit Workshops zu erreichen ist viel schwieriger. Hierzulande ist das übrigens auch nicht anders.

 

Was steht in diesem Jahr noch auf Eurer Agenda?

Wir können aktuell nicht auf über 150 Festivals wie sonst präsent sein und müssen deswegen die Sichtbarkeit von Viva con Agua vom Analogen ins Digitale verlagern. Ich bin froh, dass wir ein Team haben, das tolle Ideen entwickelt und bald drei spannende Events anstehen: Am 28. Mai begleiten wir den „Menstrual Hygiene Day“ mit einer eigenen Kampagne. Es folgt ein Online-FIFA-Turnier mit Promis für einen guten Zweck. Und dann kommt noch das große Event, bei dem alle mitmachen können: Ride vor Water vom 5.-11. Juli – Fahrradfahren für sauberes Trinkwasser.

 

Das Lüneburger Leitungswasser hat eine spitzenmäßige Qualität. Wie pimpst Du dieses am liebsten zum Trinken auf?

Mit Kohlensäure – mehr brauch ich nicht.

 

Vernetzt in Lüneburg – Porträt Martin Kurras-Ratjen vom Spielwarengeschäft „Heldenherz“

Prof. Dr. Klaus Kümmerer

Prof. Dr. Klaus Kümmerer leitet das Institut für Umweltchemie an der Leuphana Universität Lüneburg.

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Matthias Menzel

Avacon-Mitarbeiter Matthias Menzel ist ehrenamtlich für das THW Lüneburg im Einsatz.

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Hilke Lamschus

Hilke Lamschus leitet das Salzmuseum in Lüneburg und kennt sich mit dem weißen Gold bestens aus.