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Maren Brandt von MAKE MONDAY SUNDAY

„Ich möchte einen Teil dazu beitragen, die Welt zu einem schönen und lebenswerten Ort zu machen.“

Vernetzt in Lüneburg – Porträt Maren Brandt von MAKE MONDAY SUNDAY
Maren Brandt ist seit 18 Jahren in der Bekleidungsindustrie tätig.

Bitte beschreibe dich selbst in drei Worten.
Ehrlich, wertegeprägt und ein bisschen vom Wahnsinn getrieben.


Wie kamst du auf die Idee, deine Marke MAKE MONDAY SUNDAY zu gründen?

MAKE MONDAY SUNDAY bringt mich wieder zurück zu meinem Ursprung. Seit 18 Jahren bin ich in der Bekleidungsindustrie mit allen Facetten im Produktions-, Nachhaltigkeits- Qualitätsmanagement tätig. Dabei geriet irgendwann die Arbeit am Produkt immer mehr in den Hintergrund – es ging vor allem um das Management von globalen Lieferketten, wobei es mir immer wichtig war, Transparenz, soziale Arbeitsbedingungen und Umweltaspekte in die Prozesse einzubinden. Meine lokale Produktion im Herzen Lüneburgs erreicht dies auf allen Ebenen. Dazu liegen Design und Entstehungsprozess unserer Produkte komplett in meinen Händen. Das ist einfach wundervoll!


Was ist das Besondere an deiner Marke?

Zum einen der Produktionsstandort, zum anderen das Produkt selbst: Wir haben uns bei MAKE MONDAY SUNDAY auf das Produkt Kleid spezialisiert und bieten Frauen jeder Altersgruppe saison- und anlassunabhängig das perfekte Kleidungsstück. Unsere einfache Antwort auf überfüllte Kleiderschränke und Bekleidung, die uns Frauen oft einfach nicht schmeichelt, lautet: Keep it simple. Wear a dress. Die Kleider sind innerhalb eines Baukastensystems für jede Kundin individualisierbar. Wir haben keine großen Mengen auf Lager, sondern fertigen genau das, was bestellt wird. Dieses System wird "Fashion on Demand" genannt und soll der Überproduktion von Bekleidung entgegenwirken. Seit Herbst dieses Jahrs komplementiert das Thema Mantel die Marke MAKE MONDAY SUNDAY.


Woher nimmst du deine Inspiration?

Aus dem Alltag, den Menschen und der Natur – einfach aus dem, was mich umgibt. Ich mag Dinge, die klassisch und zeitlos sind und dem schnellen Wandel unserer Zeit standhalten. Dies adaptiere ich auf die Mode, die ich herstelle.


Was treibt dich in deinem Alltag an?

Ich bin sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld von meinen inneren Grundwerten getrieben. Sie sind der tägliche Motor für mein Handeln. Ich stelle mir gerade im beruflichen Kontext immer wieder die Fragen: Wem nützt, was ich tue? Könnte es womöglich jemanden schaden? Wo ist der gesellschaftliche Mehrwert? Ich mag kein Blendwerk und keine Mogelpackungen, schätze Transparenz und Ehrlichkeit. Ich bin davon überzeugt, dass nachhaltiges Handeln auch zu wirtschaftlichem Erfolg führt und nicht in Konkurrenz dazu steht. So naiv es auch klingen mag: Ich möchte in meinem Einflussbereich und im Rahmen meiner begrenzten Möglichkeiten als Individuum diese Welt zu einem schönen und lebenswerten Ort machen.


Inwiefern hat die Krise in diesem Jahr deine Arbeit beeinflusst?

Der Lockdown war zunächst ein Schock, von der die Bekleidungsbranche in extremem Maße betroffen ist. Für uns hieß das konkret abgesagte Messen, eine abgesagte Deutschlandtour in 10 Städten und Events. Ein kompletter Stillstand. Dazu kam, dass wir in unserer Produktion nicht nur unsere Eigenmarke MAKE MONDAY SUNDAY fertigen, sondern auch externe Produktionsaufträge annehmen, die zu 90% weggebrochen sind. Aufträge wurden einfach storniert, nicht gezahlt oder auf unbestimmte Zeit verschoben.


Und dann hast du die lokale Produktion auf Alltagsmasken umgestellt ...

Ja, nach kurzer Schockstarre wurde mir klar, dass wir lokal etwas fertigen können, was gerade zu Beginn des Lockdowns dringend gebraucht wurde: Behelfsmasken. In den ersten zwei Wochen haben wir die Masken kostenfrei verteilt, z. B. an Supermarkt-Teams, Arztpraxen, Apotheken, Pflegepersonal – alle, die für uns jeden Tag anpacken, um diese Krise zu überstehen. Und gegen einen frankierten Rückumschlag haben wir je zwei Masken kostenfrei an Seniorinnen und Senioren versendet.

Unsere Aktion schlug in Lüneburg so ein, dass in Kürze lokale Firmen auf uns zukamen und Masken bestellten. An die verkaufen wir die Masken zum Non-Profit-Preis. Uns geht es darum, zu helfen und gleichzeitig die Betriebskosten inklusive Löhne weiter zahlen zu können. Bisher ist niemand in der Produktion in Kurzarbeit. Darauf bin ich sehr stolz und vor allem dankbar all denen, die uns mit dem Kauf von Behelfsmasken unterstützt haben und weiter unterstützen!


Was ist dein Lieblingsort in Lüneburg, um neue Power zu tanken?

Ich liebe Lüneburg an den Markttagen. Frisches Obst und Gemüse aus der Region und das quirlige Treiben dort mag ich ganz besonders.


Und dein Lieblingsort, um sich zu vernetzen?

Die Provinzperle! An jedem ersten Donnerstag im Monat treffen sich dort Geschäftsfrauen rund um Antje Blumenbach aus Lüneburg und Umgebung. Das ist immer erheiternd, und es ergeben sich neue und verbindliche Kontakte und Freundschaften. Aber auch die IHK Lüneburg-Wolfsburg ist ein echter Netzwerkbooster voller Ideen und guter Berater und Beraterinnen. Als Gründerin ist man in dieser Region in guten Händen!


Das Lüneburger Leitungswasser hat eine hervorragende Qualität. Wie trinkst du dein LüneWasser?

Ich war schon immer ein absoluter Leitungswasserfan und konnte noch nie verstehen, warum Menschen teures Mineralwasser womöglich in Plastikflaschen zu sich nach Hause schleppen, wo wir so ausgezeichnetes Trinkwasser aus der Leitung haben. Ich mag es ganz rein, ohne Zusätze und am liebsten frisch und kalt aus der Leitung!


Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind heute so wichtiger denn je. Wie setzt du dich dafür ein?

Beides sind Themen, die mich beruflich und privat intensiv begleiten. Für unsere Marke und ihre Produktion ist die Marktnähe – und damit die Verhinderung weltumspannender und klimaschädlicher Transporte – ein großer Vorteil. Wir verwenden Materialien aus Deutschland und von unseren direkten europäischen Nachbarn, arbeiten mit ökologischen Materialien wie Bio-Baumwolle und Leinen und nur mit zertifizierten Betrieben. Unsere Kleider fertigen wir „On Demand“ – also immer nur das, was wirklich bestellt wird. So arbeiten wir Ressourcen schonend und vermeiden Überproduktion. Privat steht bei mir das Thema Plastikvermeidung hoch auf der Agenda. Außerdem ernähre ich mich vegetarisch.


Der Letzte macht das Licht aus. Wer ist das normalerweise in deinem Laden?Der Letzte macht das Licht aus. Wer ist das normalerweise in deinem Laden?
Eine Frau – wir arbeiten hier nämlich in einem reinen Frauenteam. Seit August bilden wir übrigens auch aus und sorgen dafür, dass unsere Region wieder Nachwuchs im Bereich der Bekleidungsfertigung bekommt. Ein völlig ausgestorbener Beruf, seit sich die Bekleidungsproduktion in Niedriglohnländer verschoben hat!

Meistens bin ich es allerdings, die das Licht ausmacht... Ich arbeite gerne und viel und oft auch am Wochenende, wenn es die Familie zulässt. Wenn ich am Abend allein in meinem Betrieb stehe und auf die ganzen Maschinen und Stoffe blicke, denke ich viel an meine Großmutter, von der ich das Talent geerbt habe. Ich glaube, ihr hätte gefallen, was ich hier auf die Beine gestellt habe.


Was wünscht du dir für das Lüneburg der Zukunft?
Ich wünsche mir ein Lüneburg, das weltoffen und tolerant ist und bleibt, in dem Umweltschutz und soziales Handeln in allen Bereichen spürbar gelebt werden. Ich wünsche mir einen sicheren Ort für unsere Kinder, an dem sie unbeschwert ihren Weg in die Zukunft beschreiten können! Wir sollten ihnen eine Welt hinterlassen, in der es sich zu leben lohnt.

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