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Roswitha-Literaturpreis

Wagemutig wirbelt sie das Denken auf

Die Stadt Bad Gandersheim (Landkreis Northeim) vergibt schon seit 1973 jedes Jahr einen Literaturpreis, um an die Schriftstellerin Roswitha von Gandersheim zu erinnern. Sie lebte im 10. Jahrhundert. Mit dem Preis wird eine herausragende literarische Einzelleistung einer in Europa lebenden und tätigen Schriftstellerin gewürdigt. Dieses Werk kann allen Bereichen literarischen Schaffens und der Philosophie angehören. Im Mittelpunkt sollen dabei Themen stehen, die aus dem Blickwinkel von Literatur oder Philosophie eine Zeitepoche oder Gesellschaft betrachten.

Autorin Monika Rinck, Foto: Gene Glover / Agentur Focus

Als hervorragende Essayistin und Ausnahmeerscheinung der deutschsprachigen Lyrik hat die Jury des Roswitha-Preises am 27. Oktober 2019 die in Berlin lebende Autorin Monika Rinck geehrt. Bekannt ist Rinck unter anderem durch ihr Essay „Ah, Das Love Ding“ und die Streitschriften „Risiko und Idiotie“. „In Rincks Gedichten stehen immer wieder scheinbar disparateste Dinge nebeneinander, die ‚Datenlage‘ verkehrt sich da in eine ‚Gartentrage‘, und zum Sellerie wird ‚Schnitzler‘ serviert. Gesicherte Erkenntnisse haben in Rincks Werk keinen Platz. Im Gegenteil, die Welt vermeintlicher Gewissheiten wird hier skeptisch beäugt“, so Tobias Lehmkuhl 2015 in einem Porträt der Autorin in DIE ZEIT. Außerdem kann man ihr Talent zur Albernheit beispielsweise in dem kleinen Band „Hasenhass“ bewundern. In einer Studie nannte der Literaturwissenschaftler Christian Metz die Autorin "Monarchin einer neuen Lyrikaristokratie" und unterstrich damit, dass Monika Rinck längst eine Ausnahmedichterin von großer Strahlkraft ist.

Eine unabhängige Jury hat sich in einer Sitzung in Berlin einstimmig für die Autorin entschieden. In der Begründung heißt es:

„Monika Rinck verfügt über ein breites Spektrum literarischer Mittel und Verfahrensweisen, über einen skurrilen Humor und einen anarchischen Witz. Sie verfügt über die Fähigkeit, ihre Gedanken in Bildern auszudrücken und Theorien in sinnlicher Gestalt darzustellen. Sie ist eine der originellsten, eigensinnigsten Stimmen der neueren deutschen Literatur.“

Mehr Informationen zum Preis finden Sie hier.

Nachdem Bürgermeisterin Franziska Schwarz (2. v.l.) Monika Rinck mit dem Roswitha-Literaturpreis 2019 ausgezeichnet hatte, ließen es sich auch die Sponsoren-Vertreter (v.l.) Thorsten Prieß (Paracelsus-Kliniken), Harald Schliestedt (Avacon) und Dieter Brinkmann (Volksbank Bad Gandersheim) nicht nehmen, der Preisträgerin zu gratulieren.

Monika Rinck bereits vielfach ausgezeichnet

Die studierte Religions- und Literaturwissenschaftlerin wurde bereits mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, unter anderem dem „Georg-K.-Glaser-Preis“, „Kleist-Preis“, „Peter-Huchel-Preis“ und „Ernst-Meister-Preis“. Der Präsident der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft, Günter Blamberger, bezeichnete sie als eine Meisterin aller Tonlagen und sagte weiter: "Rincks Registerreichtum ist so stupend wie ihr Witz. Ihre Texte können alles zugleich sein: virtuos und gelehrsam, berührend und pointenreich, humorvoll und melancholisch." 

Die Lyrikerin Monika Rinck zelebriert in ihren Gedichten Eleganz, Heiterkeit und poetische Unruhe. Das ist ein großes intellektuelles Vergnügen.“

Michael Braun in DIE ZEIT, 16. April 2019

2019 erschienen von Monika Rinck das Lesebuch „Champagner für die Pferde“ und der Lyrikband „Alle Türen“. Die Lyrikerin arbeitet auch als Übersetzerin aus dem amerikanischen Englisch und aus dem Ungarischen. So erschien 2019 ein von ihr mitübersetzte Gedichtband: „Ich übergebe das Zeitalter“ von István Kemény.

Roswitha-Preisträgerin 2018

2018 verlieh die Jury der ebenfalls in Berlin lebenden deutsch-ungarischen Autorin Terézia Mora den Roswitha-Literaturpreis. Ihre Romane und Erzählungen, wie beispielsweise ‚Das Ungeheuer‘ und ‚Der einzige Mann auf dem Kontinent‘ „fangen Ausschnitte von Wirklichkeit ein und transzendieren diese in kunstvoller Weise zu sprachlich herausragender Literatur“, hieß es in der Begründung. Bürgermeisterin Franziska Schwarz überreichte den Literaturpreis im Beisein des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil im Gandersheimer Kaisersaal.

Kleine Historie des Preises

Der Roswitha-Literaturpreis der Stadt seit 1973

Die Kanonisse Roswitha von Gandersheim lebte von ca. 935 bis ca. 980 im Stift Gandersheim. Sie gilt als erste deutsche und erste christliche Dichterin des Abendlandes. Das Stift Gandersheim ist die kulturelle Errungenschaft der sächsischen Liudolfinger, die es mit Heinrich I zum ersten sächsischen ostfränkischen König  (919) brachten. Heinrich schafft das erste deutsche Reich, seine Nachfahren das Heilige Römische Reich Deutscher Nation.

Der mit 5.500 Euro dotierte Roswitha-Preis ist der älteste alljährlich nur an Frauen vergebene deutsche Literaturpreis. Er wird seit 1973 verliehen – zunächst unter dem Namen Roswitha-Gedenkmedaille. Der Preis erinnert an die erste deutsche Schriftstellerin, die Kanonisse Roswitha von Gandersheim, die im 10. Jahrhundert im Stift Gandersheim Legenden, Dramen und historische Gedichte schrieb.

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