24/7 für Sie erreichbar

Wir sind jederzeit für Sie erreichbar. Wählen Sie hier Ihren gewünschten Kontaktkanal aus.

Wie Umweltschutz in Kommunen gelingt

„Summ, summ, summ, Bienchen summ herum. Flieg nur aus in Wald und Heide. Ei, wir tun dir nichts zuleide“, haben wir alle in unseren Kindertagen gesungen. Doch diese blumigen Zeiten sind für die kleinen Honigproduzenten längst vorbei: Sie finden immer weniger Blühpflanzen und Nistplätze, vom vielfältigen Einsatz giftiger Pestizide ganz zu schweigen. Zwar hat sich die Lage für Honigbienen jüngst etwas entspannt, doch von ihren wildlebenden Artgenossen stehen etwa die Hälfte der über 550 Arten auf der Roten Liste. In den vergangenen 27 Jahren ist die Biomasse der kleinen Pollensammlerinnen um 76 Prozent zurückgegangen. Eine besorgniserregende Entwicklung, bedenkt man, dass etwa 84 Prozent der wichtigsten angebauten Pflanzenarten für unsere Ernährung durch Insekten wie Bienen bestäubt werden.

Vielen anderen Tieren geht es ähnlich. So sind die Populationen von Schmetterlingen, Kiebitzen und Rebhühnern in den vergangenen Jahrzehnten um 80 bis 90 Prozent zurückgegangen. Die Ursachen dafür sind menschengemacht: zunehmende Siedlungs- und Verkehrsflächen, begradigte Bäche und Flüsse, trockengelegte Moore, aufgeräumte Naturflächen, abgemähte Feldränder, extensive Landwirtschaft, Monokulturen, blüharme Gärten etc.

All das mahnt zum Handeln. Der Schutz von Flora und Fauna ist eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft, denn ein Aussterben von Tierarten bringt das Gleichgewicht der Natur ins Schwanken, Nahrungsmittelketten funktionieren nicht mehr. Hierzu können Gemeinden einen wichtigen Beitrag leisten.

Was können Kommunen tun?

Häufig werden Weg- und Straßenränder, Grünanlagen und Plätze mit chemischen Mitteln von unerwünschten Kräutern und Insekten befreit – zum Leidwesen vieler Tiere. „Kommunen können Verantwortung und eine Vorreiterrolle für den Artenschutz übernehmen, indem sie bei der Flächenpflege keine Pestizide einsetzen – und das gilt für den kommunalen Raum genauso wie für kommunale, teils verpachtete, Felder“, rät Prof. Felix Ekardt, Vorsitzender des BUND Sachsen. Statt Flächen zu bereinigen, können Kommunen zum Naturschutz beitragen, indem sie auf Feld- und Wegrändern, Wiesen und Brachen, in Wohn- und Gewerbeanlagen Blühmischungen ansäen und Sträucher pflanzen. Sie bieten kleineren Tieren Rückzugsmöglichkeiten und Schutz vor Feinden. Zudem können Gemeinden Naturschutzvereinen Flächen zur Verfügung stellen, aber auch nicht mehr genutzte Bauten und Objekte, die Brut- und Nistmöglichkeiten bieten. Auch mit dem Anpflanzen von Bäumen beziehungsweise Aufforstung können Kommunen einen wichtigen Beitrag leisten – und können damit gleichzeitig ihre Klimabilanz langfristig verbessern. Wie man das Engagement für Tier und Umwelt ganz praktisch ausgestalten kann, zeigen die folgenden Beispiele.

Dr. Arne Röhrs, Vorsitzender des Naturschutzvereins Weseraue, Ralf Thäsler vom Avacon-Konnzessionsmanagement, Heinrich Brockmann, ebenfalls vom Naturschutzverein Weseraue und Avacon-Mitarbeiter Volker Wuttke (von links)weihen zusammen das neue Insektenhotel ein.

Ein Paradies für Insekten

Ein neuer Lebensraum steht Insekten seit Anfang 2018 auf dem Gelände des Umspannwerkes Wechold in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya im Landkreis Nienburg/Weser zur Verfügung. Dort hat der Avacon-Standort Nienburg Anfang 2018 in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzverein Weseraue eine Blumenweide für Insekten angesät. Fünf Jahre lang soll sie halten und nur einmal jährlich gemäht werden, um den Tieren ausreichend Schutz zu bieten. Zusätzlich wurde auf dem Gelände ein Insektenhotel aufgestellt. 

„Die Schaffung solcher Blühflächen bietet Bienen, Hummeln und Schmetterlingen ein ganzes Jahr über ausreichend Nahrung. Ich freue mich besonders, dass es uns gelungen ist, dafür einen Ort zu finden, der nicht in Konkurrenz zur Landwirtschaft steht.“

Dr. Arne Röhrs, Vorsitzender Naturschutzverein Weseraue

Avacon-Mitarbeiter Rene Karwarth ist stolz auf seine Bienen, die auf dem Gelände des Umspannwerks Wasserleben ein neues Zuhause gefunden haben.

Bienenquartiere auf dem Avacon-Gelände

Schon lange gab es bei Avacon Überlegungen, eigene Liegenschaften Hobby-Imkern zur Verfügung zu stellen, um so dem Rückgang der Insektenpopulationen etwas entgegenzusetzen. Doch ungünstige Bedingungen für die Bienenvölker an Verwaltungsstandorten und strenge Sicherheitsauflagen an den Umspannwerken schienen dem Vorhaben einen Riegel vorzuschieben – bis Avacon-Mitarbeiter Rene Karwarth die Imkerei als neue Leidenschaft entdeckte. Als Sicherheitsfachkraft stand ihm die Möglichkeit offen, Bienenvölker auf dem Gelände eines Umspannwerkes unterzubringen. Seit April 2018 schwirren nun drei Bienenvölker vom Umspannwerk Wasserleben der Gemeinde Nordharz im Landkreis Harz und zwei vom nahegelegenen Avacon-Betriebsstandort in der Stadt Salzgitter in die Gegend aus. Eine Ernte von rund 200 Kilogramm Honig erwartet Karwath bereits in seinem ersten Imkerjahr.

„Natürlich ist unsere Aktion nur ein kleiner Beitrag zur Lösung eines großen ökologischen Problems ist. Aber ich hoffe, dass das großartige Engagement von Rene Karwath Nachahmer findet und so weitere Kreise zieht.“

Frank Aigner, Avacon-Personalvorstand

Die ersten beiden Schleiereulen wurden 2015 aus dem Schwarzwald im Trafoturm angesiedelt. Inzwischen sind die ersten Bruten in Vissum unterwegs. (© Naturerbeverein Vissum)

Vögel ziehen in alte Trafotürme

Unterkünfte kann man aber nicht nur für Insekten bauen. So sind auf Initiative des Naturerbevereins Vissum in den vergangenen Jahren in alten Trafotürmen der Einheitsgemeinde Arendsee (Altmark) im Altmarkkreis Salzwedel 15 Vogelunterkünfte entstanden. Avacon hat die nicht mehr genutzten Stromverteiler dafür zur Verfügung gestellt. Hier nisten Schleiereulen, Turmfalken, Sperlinge, Hausrotschwänze, Fledermäuse, Insekten und einige Tiere mehr. Aber die Türme erzählen über Infotafeln auch die Geschichte der Gebäude selbst. In einem der alten Bauten hat eine Künstlerin sogar im Erdgeschoss ein kleines Refugium, in dem auch Ausstellungen stattfinden.

„Mit unseren Trafohausprojekten wollen wir Vorbild und Ideengeber für andere Kommunen sein. Die Türme prägen häufig das Ortsbild und stammen teilweise aus der Zeit des Beginns der Elektrifizierung. Sie zu erhalten und mit neuem Leben zu füllen, ist ein großer Gewinn für unsere Dörfer.“

Uwe Hundt, stellvertretender Vorsitzender Naturerbeverein Vissum

Burkhard Reimann vom Heimat-, Umwelt- und Kulturverein „Eule“ in der Anfangsphase des Turmumbaus. (© Heimat-, Umwelt- und Kulturverein „Eule“)

Auch in Schwarme, einer Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen im Landkreis Diepholz, haben sich Ehrenamtliche stark gemacht, um einen alten Trafoturm von Avacon für den Naturschutz umzurüsten. Durch die Initiative des Heimat-, Umwelt- und Kulturvereins „Eule“ entsteht dort seit März 2017 in mehreren Etappen ein neues Zuhause für Fledermäuse, Insekten, Schleiereulen und viele andere Vögel. Eine der Besonderheiten: Über eine solarbetriebene Webcam sollen Neugierige beobachten können, was in den Brutkästen vor sich geht.

„Das neue Tierhotel bedeutet für uns nicht nur Umweltschutz. Es bietet beispielweise auch tolle Möglichkeiten für Schüler und andere Interessierte, hautnah etwas über die ‚Hausbewohner’ zu lernen.“

Hans-Jürgen Suling, 2. Vorsitzender Heimat-, Umwelt- und Kulturverein „Eule“  

V.l.n.r.: Stiftungsförster Johannes Ganzert im Gespräch mit Evelyn Stolze, Geschäftsführerin der Stadtwerke Blankenburg, Blankenburgs Bürgermeister Heiko Breithaupt, Avacon-Kommunalreferent Thomas Braumann und Burkhard Henning, Vorstandsmitglied der Stiftung Umwelt, Natur-und Klimaschutz des Landes Sachsen-Anhalt (S.U.N.K.). (© Stadtwerke Blankenburg)

Neue Lebensräume unter Stromleitungen

Auch Stromtrassen können Kommunen dazu nutzen, um der Tier- und Pflanzenwelt zu helfen. Das zeigt ein innovatives Beispiel im Nationalen Naturerbe Stiftungswald bei der Stadt Blankenburg (Harz) im Landkreis Harz. Unter den Hochspannungsleitungen, wo sonst meist Kahlschlag herrscht, schaffen die Stadtwerke Blankenburg gemeinsam mit der Stiftung Umwelt, Natur- und Klimaschutz des Landes Sachsen-Anhalt und mit Unterstützung von Avacon auf 200.000 Quadratmetern Fläche arten- und strukturreiche Biotopkomplexe des Offenlandes. Hier entstehen nicht nur Lebensräume für seltene und bedrohte Tierarten, sondern mit blüten- und nektarreichen Flächen auch reichhaltige Nahrungsquellen für Insekten. Und nicht zuletzt werden der Erhalt und die Revitalisierung von ökologisch besonders wertvollen Biotopen, wie Heide, Trockenrasen oder Trockengebüsche, gefördert. So setzt das Projekt gleichermaßen Maßstäbe im Tier-, Pflanzen- und Klimaschutz. 

„Es wird sicher Zeit brauchen, bis der gewollte Zustand erreicht ist, denn die Natur lässt sich nicht in Termine pressen. Wichtig ist es erst einmal zu beginnen.“

Evelyn Stolze, Geschäftsführerin Stadtwerke Blankenburg

Schüler der Adolf-Grimme Schule Barsinghausen pflanzen zusammen mit Udo Sahling, Geschäftsführer der KSA Hannover (links), Barsinghausens Bürgermeister Marc Lahmann (Mitte) und Avacon-Kommunalreferent Frank Glaubitz (rechts) Ginkobäume. (© KSA Hannover)

Bäume zur CO2-Kompensation

Einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, war auch das Anliegen bei einer Baumpflanzaktion in der Stadt Barsinghausen in der Region Hannover. 17 Viertklässler der Adolf-Grimme-Schule setzten dort am 14. April 2018 mit ihrer Lehrerin fünf Gingkobäume in die Erde ein – unterstützt von Avacon und der Klimaschutzagentur Region Hannover. Diese sollen in den kommenden fünf bis zehn Jahren 700 Kilogramm CO2-Emissionen kompensieren. So viel Kohlendioxid war ungefähr durch eine Klimaschutz- und Energiewende-Veranstaltung in der Stadt entstanden, hat die Klimaschutzagentur berechnet. Aber natürlich tragen die Gingkos auch darüber hinaus zum Umweltschutz bei. 

„Bäume entziehen der Atmosphäre das schädliche Kohlendioxid und wirken damit dem Klimawandel direkt entgegen.“

Udo Sahling, Geschäftsführer der Klimaschutzagentur Region Hannover

Wie sieht es in Ihrer Kommune aus?

Berichten Sie uns von Naturschutzprojekten in Ihrer Kommune. Wir freuen uns auf Ihre Beispiele! Senden Sie diese einfach an folgende E-Mail-Adresse:

kommuneplus@avacon.de