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Interview mit Marten Bunnemann

Netzausbau erhöht die Standortattraktivität für Rechenzentren

Gemeinsam mit Tennet und der Mainova wird Avacon das Stromnetz im Großraum Frankfurt im großen Stil ertüchten. Zusammen nehmen die Unternehmen 750 Mio. Euro in die Hand, um das Stromnetz fit für den steigenden "Energiehunger" der Metropolregion zu machen. Mit energate sprach Marten Bunnemann, CEO von Avacon, über das Projekt.

energate:

Herr Bunnemann, welche Bedeutung hat das Rhein-Main-Gebiet für Avacon?

Bunnemann:

Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung sind in den vergangenen Jahren erhebliche Rechenzentrumskapazitäten in der Nähe zum weltweit größten Internetknoten, dem sogenannten DE-CIX, in Frankfurt entstanden. In der Hauptstadt der deutschen Finanz- und Digitalwirtschaft sind inzwischen mehr als 60 Rechenzentren angesiedelt. Schon heute konzentriert sich über 80 Prozent des deutschen Marktvolumens für Rechenzentren in der Region - mit steigender Tendenz. Die zunehmende Nachfrage nach Rechenleistung und der Kundenwunsch nach einer Speicherung und Verarbeitung seiner Daten in Europa und Deutschland beschleunigt diesen Ausbau und befördert die Ansiedlung von sogenannten Hyperscale-Rechenzentren mit elektrischen Anschlussleistungen von 100 MW und mehr im Frankfurter Umland. Und hier liegen unsere 110kV-Netze, die wir nicht nur in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, sondern auch in Nordhessen bis an die Stadtgrenzen Frankfurts betreiben.

energate:

Was bedeutet das für den Netzbetrieb?

Bunnemann:

Es ist bereits heute ersichtlich, dass die noch vorhandenen beziehungsweise mittelfristig neu zu schaffenden Leistungsreserven vor allem in der Stadt Frankfurt, aber auch in der gesamten Region nicht ausreichen, um die kundenseitige Nachfrage nach Netzanschlusskapazität zu bedienen. Um mit dieser Entwicklung Schritt zu halten, die regionale Stromversorgung für alle Bedarfe auch langfristig mit zunehmendem Anteil an erneuerbaren Energien zu sichern und die Standortattraktivität Hessens für Rechenzentrumsbetreiber zu steigern, haben wir zusammen mit unseren Partnern Tennet und Mainova ein zukunftsweisendes Netzverstärkungskonzept für das Rhein-Main-Gebiet entwickelt, in dessen Rahmen wir gemeinsam Investitionen in Höhe von 750 Mio. Euro tätigen.

energate:

Inwieweit passt die fortschreitende Digitalisierung und der damit verbundene enorme Energiebedarf mit den Klimazielen zusammen?

Bunnemann:

Der umweltfreundliche Energieverbrauch von Rechenzentren ist Grundvoraussetzung einer nachhaltigen Digitalisierung unserer Gesellschaft. Schätzungen zufolge werden Rechenzentren bis zum Jahr 2025 bis zu einem Fünftel des globalen Stromverbrauchs ausmachen. Allein in Deutschland entfallen schon heute auf Rechenzentren etwa 13 Mrd. kWh pro Jahr. Das entspricht dem gesamten jährlichen Strombedarf einer Großstadt wie Berlin. Die wachsende Bedeutung von Rechenzentren als Energieverbraucher hat auch die EU-Kommission erkannt und Anfang dieses Jahres einen Fahrplan für die Klimaneutralität von Rechenzentren bis 2030 festgelegt. Avacon ist als Teil des Eon-Konzerns mit ihren intelligenten Energienetzen, einer Grünstromquote von 185 Prozent in den Netzen und ihrer Datacenter-Initiative in einer guten Ausgangsposition, um eine wichtige Rolle in diesem Prozess zu spielen.

energate:

Was steckt hinter der Datacenter-Initiative?

Bunnemann:

Mit der Datacenter-Initiative fokussieren wir uns speziell auf große Rechenzentrumsbetreiber als Kundensegment. Neben einem sicheren und verlässlichen Netzanschluss bieten wir als Avacon-Gruppe diesen Kunden auch intelligente Lösungen für eine möglichst effiziente und CO2-neutrale Energieversorgung. Ein Teil dieser Initiative ist die Idee, zusammen mit Partnern einen Campus für Rechenzentren im Frankfurter Umland zu etablieren. Die Grundidee ist simpel: Rechenzentrumsbetreibern wird eine große Fläche zur Verfügung gestellt, und wir versorgen sie über einen zentralen Netzanschluss mit möglichst erneuerbarem Strom, idealerweise kombiniert mit einer grünen Eigenerzeugung vor Ort und einer leistungsfähigen Glasfaserinfrastruktur. Die von den Rechenzentren generierte Abwärme kann außerdem intelligent in städtebauliche Konzepte eingebunden und von Anwohnern oder Betrieben vor Ort genutzt werden. Für den Projekterfolg ist - wie bei vielen anderen Energiewendethemen auch - die enge Zusammenarbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern und politischen Entscheidungsträgern vor Ort besonders wichtig. Auch hier werden wir nur im gemeinsamen Miteinander verschiedener Akteure erfolgreich sein.

Quelle: energate-messenger.de