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Avacon informiert über geplanten 110 kV-Leitungsbau von Kunrau nach Tylsen

10.04.2017

Zu einem Bürgerdialog zum geplanten 110 kV-Leitungsbau hatte Avacon am Montag nach Beetzendorf eingeladen. Bereits im Vorfeld zu diesem Termin hatte der regionale Netzbetreiber in öffentlichen Ortschaftsratssitzungen in Immekath und Kunrau über den aktuellen Planungsstand informiert und war dort auf großen und fundierten Diskussionsbedarf gestoßen. Um die Fragen der betroffenen Anwohner, interessierten Bürger und der Kommunalpolitik möglichst umfassend beantworten zu können, hatte Avacon diesmal einen eigenen öffentlichen Termin organisiert, zu dem seitens des Unternehmens alle beteiligten Fachbereiche wie Netzplanung, Umweltplanung, Naturschutz und Leitungsbau mit eigenen Experten vertreten waren.

Zunächst begrüßte der zuständige Kommunalreferent Andreas Forke von Avacon Salzwedel die anwesenden Teilnehmer und dankte für das große Interesse. In seinen einführenden Worten wies er darauf hin, dass Avacon über das Vorhaben informieren möchte und den Dialog sucht.

Das vorgestellte Bauprojekt sieht vor, vom Umspannwerk Kunrau aus eine neue 110 kV-Leitung bis zur schon bestehenden 110 kV-Leitung Salzwedel-Ellenberg zu errichten. Konkret ist der Anschluss an die vorhandene Leitung nahe der Ortschaft Tylsen vorgesehen. Die neue Leitung soll die bereits bestehenden, ungewöhnlich langen 110 kV-Leitungen, die aus Gardelegen kommend nach Ellenberg und nach Nettgau führen, zu einem Ring schließen und so die Versorgungssicherheit in der gesamten Region deutlich erhöhen. Zugleich soll die westliche Altmark, die bis heute mit den historischen Zwischenspannungsebenen 30 und15 kV versorgt wird, gemäß dem Stand der Technik auf eine moderne 110/20 kV-Versorgung umgestellt werden. Das ist mit dem bestehenden Netz nicht möglich.

„Wir haben in der Altmark ein relativ weitmaschiges 110 kV-Netz“, sagte Dr. Johannes Schmiesing, Leiter der Avacon-Netzentwicklung. „In den letzten Jahren haben wir bereits sehr viel in den Ausbau und die Sicherheit des Mittelspannungsnetzes investiert, insbesondere dort, wo viele EEG-Anlagen zugebaut wurden. Langfristig werden wir das komplette Mittelspannungsnetz auf ein 20 kV-Kabelnetz umstellen und die noch vorhandenen 15 bzw. 30 kV-Netze mit ihren vielen alten Freileitungen vollständig ablösen. Die Umstellung auf ein 110/20/0,4 kV-Netz entspricht dem Stand der Technik und dient der weiteren Erhöhung der Versorgungssicherheit“, erläuterte Schmiesing.

Neben der Versorgungssicherheit spielt aber auch der Ausbau der Erneuerbaren Energien eine Rolle. Es gibt kaum eine Region in Deutschland, in der die Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien so deutlich über dem Stromverbrauch der Bevölkerung liegt wie in der Altmark. Hier liegt der Entwicklungsschwerpunkt in den letzten Jahren klar im Raum Salzwedel-Stendal-Seehausen. Also nicht im Jeetzetal. Trotzdem will Avacon auch und gerade hier die Netzsituation nachhaltig und zukunftsgerichtet verbessern. In der ganzen Altmark wird auf Grund der Energieerzeugung bereits heute an mehr als 300 Tagen im Jahr teilweise deutlich mehr Strom produziert als in der Region verbraucht wird. Die überschüssige Energie muss aus der Fläche abtransportiert und nahe Stendal in das 380 kV-Netz der 50Hertz Transmission GmbH zum Weitertransport übergeben werden.

Alle drei Ziele, die Umstellung auf eine zeitgemäße Technik, die Erhöhung der Versorgungssicherheit, wie auch die Aufnahme und der Transport dezentral erzeugter Energie, werden durch die Stärkung des 110 kV-Netzes mit dem Bau eines rund 35 Kilometer langen Ringschlusses von Kunrau nach Tylsen erreicht.

Hauptkritikpunkt der Öffentlichkeit am Vorgehen des Regionalnetzbetreibers Avacon war in den ersten Veranstaltungen die Tatsache, dass das Unternehmen einen Freileitungsbau plant und sich dementsprechend auf Trassensuche befindet. Wie Dr. Schmiesing dazu erklärte, bestehen für die Bauausführung von 110 kV-Leitungen durch verschiedene Paragraphen im Energiewirtschaftsgesetz inzwischen klare gesetzliche Vorgaben, die genau festlegen, wann eine Hochspannungsleitung als Erdkabel oder als Freileitung zu bauen ist.

So ist im Paragraph 1 des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) allgemeingültig geregelt, dass die Netzbetreiber eine möglichst sichere, preisgünstige, verbraucherfreundliche, effiziente und umweltverträgliche leitungsgebundene Versorgung mit Elektrizität sicherstellen sollen. Insbesondere der Aspekt des preisgünstigen Netzbetriebs spielt dabei in der staatlichen Regulierung, aber auch in der politischen Positionierung, z.B. bei der Landesregierung Sachsen-Anhalt, eine große Rolle. Hier sind insbesondere diejenigen Bundesländer im Nachteil, die wenig Bevölkerung, wenig Industrie und viel regenerative Stromerzeugung haben. All das trifft auf den Norden Sachsen-Anhalts in ausgeprägter Form zu.

Konkret auf den Leitungsbau bezogen, sind nach Paragraph 43h des EnWG
Hochspannungsleitungen auf neuen Trassen dann als Erdkabel auszuführen, wenn die Gesamtkosten für Errichtung und Betrieb des Erdkabels die Gesamtkosten der technisch vergleichbaren Freileitung um nicht mehr als den Faktor 2,75 überschreiten. Wird dieser Kostenfaktor überschritten, darf der zuständige Netzbetreiber – und sollte es mit Blick auf §1 EnWG auch tun – eine Freileitung beantragen. Diesem Antrag wird durch die genehmigende Behörde stattgegeben, wenn dem Leitungsbau in einer Güterabwegung keine öffentlichen Interessen entgegenstehen. „Im Rahmen dieser beiden klaren gesetzlichen Vorgaben muss und wird sich Avacon selbstverständlich bewegen“, versicherte Schmiesing.

Da die bisherigen Kostenkalkulationen einen Faktor zwischen drei und vier ausweisen, vergleicht Avacon natürlich beide Varianten, geht aber davon aus, den Bau als Freileitung auszuführen. „Wenn der Kostenfaktor überschritten wird, sehen wir uns gezwungen, eine Freileitung zu beantragen, da wir anreizreguliert sind, es sich um die technisch bessere Lösung handelt und wir permanent dazu aufgefordert sind, die Netzentgelte niedrig zu halten“, begründete der Fachmann die Präferenz von Avacon für den Bau als Freileitung. Avacon, als zu 40 Prozent kommunales Unternehmen, sehe sich, so Schmiesing weiter, den technisch zuverlässigkeitsgeprägten wie auch wirtschaftlichen Interessen seiner Kommunen und ihrer Bürger verpflichtet. Zwischen beiden Motiven bestünden nun aber einmal, wie im konkreten Fall, durchaus mögliche Widersprüche.

Abschließend erläuterte der Avacon-Fachmann den Teilnehmern die Unterschiede im technischen Aufbau der beiden Technologien Erdkabel und Freileitung. Er zeigte auch, dass die angeführten günstigen Raum- und Bodenverhältnisse im Jeetzetal letztlich beide Technologien begünstigen.

Im Anschluss an die Ausführungen von Dr. Schmiesing stellte Stephan Radtke, zuständiger Projektleiter für den Leitungsbau zwischen Kunrau und Tylsen, detailliert die derzeit untersuchten Freileitungs- und Kabelvarianten vor. Wie Radtke betonte, ist Avacon daran interessiert, eine möglichst einvernehmliche Lösung mit allen Betroffenen zu finden. Zum Planfeststellungsverfahren werden dementsprechend sowohl exakte Berechnungen für eine Freileitungstrasse als auch eine Kabeltrasse eingereicht. Wenn der Kostenfaktor von 2,75 überschritten wird – wovon Avacon laut Radtke derzeit ausgeht – werde man eine Freileitungstrasse beantragen. Die endgültige Entscheidung über die Bauausführung trifft dann das Landesverwaltungsamt in Halle.

Nach der anschließenden Diskussion konnten sich die Teilnehmer noch gezielt an speziell eingerichteten Dialoginseln in Einzelgesprächen bei den Fachleuten informieren.

Corinna Hinkel

Pressesprecherin Avacon AG

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38350 Helmstedt

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